Fischer: „Die Wunden sind noch nicht verheilt“ (wlz-fz 07.09.2012)

Schüler informieren sich in der Wanderausstellung „Volk auf dem Weg“ über die Geschichte der sogenannten Russlanddeutschen

ausstellung volk auf dem weg wlz fz 07 09 2012

Drei Millionen Russlanddeutsche und 200 000 russischstämmige Menschen leben in Deutschland – ihre Geschichte ist eine wechselvolle. Die Ausstellung „Volk auf dem Weg“ soll Schülern helfen, die Sorgen und Probleme der Aussiedler zu verstehen. Ein Gedankenexperiment ließ der neue Leiter der Edertalschule, Stefan Hermes, zwei elfte Klassen am Donnerstagmorgen vollziehen: „Stellen Sie sich vor, Sie sind in einem Land geboren, dort aufgewachsen, beherrschen die Sprache perfekt und doch – nicht wirklich fassbar – ist da eine Ablehnung. Irgendwann hören Sie: ‚Du gehörst nicht hierher‘. Und dann kommt die Nachricht, dass Sie umziehen, in ein neues Land, mit einer neuen Sprache. ‚Das ist das Land, wo wir herkommen und wo wir hingehören‘, wird Ihnen gesagt. Und dann kommen Sie in dieses Land und hören wieder: „Du gehörst nicht hierher‘.“ So umriss er kurz die Gefühle vieler Russlanddeutscher, gerade in der Nach-Wendezeit und der Auflösung der UdSSR. Einer, der diese Gefühle kennt, war an diesem Morgen Gast an der Edertalschule: Jakob Fischer, selbst Russlanddeutscher, ehemaliger Geschichtslehrer in Kasachstan und heute Leiter der Ausstellung „Volk auf dem Weg“.

Sie ist seit vergangener Woche in den Räumen der Sparkasse zu sehen, doch Fischer will die gemeinsame Geschichte von Deutschen und Russen gerade auch der jungen Generation vermitteln. An der Hans-Viessmann-Schule war er bereits, die Edertalschule war gestern und heute an der Reihe und auch die Burgwald- und die Ortenbergschule bekommen noch Besuch. Mit Stellwänden und kurzen Filmeinspielungen zeigte Fischer den Schülern in drei Unterrichtsstunden die positiven wie auch die negativen Seiten der Geschichte. Den Beginn markierte die Einladung der deutschen Zarin Russlands, Katharina der Großen, an ihre Landsleute, in dem großen Land zu siedeln. Fischer umriss auch die Deportation in die kasachischen Steppen während der Weltkriege und schließlich die Gründe für den Willen, aus der zerfallenden Sowjetunion in die „alte Heimat“ zu emigrieren. „Die Wunden sind noch nicht verheilt“, sagte er. Seine Aufgabe sah Fischer aber auch darin, die Aussiedler als Bestandteil der deutschen Gesellschaft darzustellen – allein ihre Zahl von rund drei Millionen macht sie zu einem Pfeiler der Bundesrepublik; und des Frankenberger Landes, in dem er selbst Verwandtschaft hat.