Frankenberg, 29. Oktober 2024 – In der Kulturhalle der Edertalschule herrschte gespannte Aufmerksamkeit, als Dr. Leonie Wenz, renommierte Klimaforscherin und stellvertretende Abteilungsleiterin am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK), vor den Jahrgängen 10 und 11 sowie naturwissenschaftlichen Kursen der Oberstufe über die drängenden Fragen des Klimawandels sprach. Dr. Wenz, die selbst
in Haina aufwuchs und ihr Abitur an der Edertalschule ablegte, kehrte mit ihrer Expertise und einer eindringlichen Botschaft an ihre alte Schule zurück.
Der Klimawandel im Fokus: Ursachen, Auswirkungen, Handlungsbedarf
Nach einer herzlichen Begrüßung durch den Schulleiter Herrn Markus Koch eröffnete Dr. Wenz ihren Vortrag mit einer klaren und wissenschaftlich fundierten Analyse des Klimawandels. Sie zeigte auf, dass die Erderwärmung und die Häufung von Extremwetterereignissen eindeutig auf die Verbrennung fossiler Energieträger zurückzuführen sind. Ihre Präsentation, untermalt von aufrüttelnden Grafiken und Statistiken, verdeutlichte, dass die Klimaveränderungen immer schneller voranschreiten und sofortiges Handeln erfordern.
Im interaktiven zweiten Teil des Vortrags lenkte sie den Blick auf die weitreichenden Folgen der Erderwärmung. In einer kurzen Denkpause konnten die Schülerinnen und Schüler überlegen, welche Bereiche ihres Lebens vom Klimawandel betroffen sein könnten – von der Landwirtschaft bis hin zur Gesundheit. Besonders alarmierend: In den Staaten des globalen Südens könnten die Temperaturen in wenigen Jahrzehnten an vielen Tagen so hoch werden, dass ein Leben dort unmöglich wird, wenn keine konsequenten Gegenmaßnahmen ergriffen werden. "Es gibt viel zu tun, aber jeder von uns kann einen Beitrag leisten," ermutigte Dr. Wenz ihr Publikum.
Einblick in die Forschung: Mathematik trifft Klimapolitik
Abschließend gewährte die promovierte Mathematikerin Einblicke in ihre Arbeit am PIK. Mit Hilfe mathematischer Modelle analysiert ihr Team die wirtschaftlichen und sozialen Kosten des Klimawandels und liefert wertvolle Daten für politische und wirtschaftliche Entscheidungen. Damit schließt sich der Kreis zwischen wissenschaftlicher Forschung und konkretem Handeln.
Inspiration für die Zukunft
Im Anschluss stellten die Schülerinnen und Schüler zahlreiche Fragen, die Dr. Wenz mit Fachwissen und Begeisterung beantwortete. Sie scheute sich nicht, auch komplexe Zusammenhänge verständlich zu erläutern, und regte die jungen Zuhörer dazu an, selbst aktiv zu werden.
Fachbereichsleiter Herr Jens Jesberg bedankte sich herzlich bei Dr. Wenz für ihren beeindruckenden Vortrag und betonte die Bedeutung wissenschaftlicher Aufklärung im Kampf gegen den Klimawandel. "Es ist inspirierend, eine ehemalige Schülerin der Edertalschule zu sehen, die international Anerkennung für ihre Arbeit findet und ihr Wissen an die nächste Generation weitergibt."
Der Besuch von Dr. Wenz war nicht nur eine eindringliche Mahnung zur Dringlichkeit des Klimaschutzes, sondern auch eine motivierende Botschaft: Wissenschaft und Engagement können eine nachhaltige Zukunft gestalten.
Am 6.10.2024 reisten wir, 15 Schülerinnen und Schüler der achten Klassen, mit unseren Lehrern, Frau Kohl und Herr Krämer, nach Igualada und besuchten dort unsere spanische Partnerschule, das Col·legi Monalco. Sechs Tage verbrachten wir in den Familien unserer Austauschpartner. In dieser Zeit konnten wir uns einen Eindruck vom Alltag und dem Schulleben einer der zweisprachigen Regionen Spaniens verschaffen.
Die Kleinstadt Igualada
Igualada liegt in Katalonien, ungefähr 60 Kilometer nordwestlich von Barcelona entfernt, und hat circa 40.000 Einwohner. Die Stadt wirkt mit ihrem historischen Stadtzentrum und den modernen Gebäuden überschaubar und eindrucksvoll zugleich. Gut gefallen haben uns die gemütlichen und kleinen Gassen.
Im Zentrum befinden sich der große Marktplatz und das Rathaus. Am zweiten Tag unseres Aufenthaltes besuchten wir dieses. Nach einer Rundführung erhielten wir von einem Stadtabgeordneten viele Informationen zur Geschichte Igualadas. Auch war es uns möglich, vom Dach des Rathauses einen Blick auf die Altstadt und das hügelige Umland zu werfen. Die katholische Kirche hat uns besonders beeindruckt: Mit den vielen Figuren und goldenen Ornamenten ist sie viel reicher geschmückt als unsere Liebfrauenkirche.
Das Ledermuseum, ein Ort von großer Bedeutung für Igualada, besuchten wir an unserem letzten Tag. Dort informierten wir uns über die Geschichte der Stadtindustrie: Über die Jahrhunderte hinweg hat die Lederindustrie die Wirtschaft der Stadt stark geprägt und auch heute noch ist Igualada für die Anfertigung von hochwertigem Leder bekannt. Nach dem Besuch der Ausstellung konnten wir in einem Workshop noch unsere eigenen Lesezeichen aus Leder bemalen.
Das Schulleben in einer zweisprachigen Region Spaniens
An unserer Partnerschule, dem Col·legi Monalco, wird überwiegend auf Katalanisch unterrichtet. Katalanisch ist eine der vier offiziellen Sprachen Spaniens. Eine Schulstunde dauert in Spanien nicht 45 Minuten, sondern eine Stunde. Die Schule beginnt um 8:00 Uhr und endet um 13:30 Uhr. Nach einer Mittagspause von 90 Minuten beginnt der Nachmittagsunterricht um 15:00 Uhr. Der Schultag endet um 17:15 Uhr. Die Schülerinnen und Schüler lernen dort die Sprachen Spanisch, Katalanisch und Englisch. Zusätzlich können sie noch Französisch und Japanisch belegen. Wir konnten u.a. am Unterricht der Fächer Erdkunde, Mathe, Geschichte und Japanisch teilnehmen.
Das spanische Familienleben und Freizeit mit den Austauschschülern
Die Gastfamilien waren sehr freundlich und wir wurden sehr herzlich begrüßt und umsorgt. Das Familienleben und der gemeinsame Umgang waren sehr vertrauenserweckend. Das machte auch es uns leichter, uns von Beginn an in der ungewohnten Umgebung zurechtzufinden. Viele Gastfamilien machten in der Freizeit Ausflüge mit uns, so dass wir auch die Umgebung wie den bekannten Berg „Montserrat“ mit seinen imposanten Gesteinsformen kennenlernen konnten.
Ungewohnt waren für uns die Essenszeiten: In Spanien ist es normal, dass es erst um 20 oder 21 Uhr Abendessen gibt. Dementsprechend gibt es auch etwas später Mittagessen. Bei beiden Mahlzeiten wird gekocht und warm gegessen. Wir haben viele landestypische Speisen probieren dürfen.
Uns hat überrascht, dass die spanischen Schüler gemeinsam etwas unternehmen und sich alle regelmäßig in der Stadt treffen. Jeder ist mit jedem befreundet und auch zu uns waren alle sehr offen. Die Verständigung war viel einfacher und unkomplizierter als erwartet, auch wenn in den Familien häufig Katalanisch gesprochen wurde.
Typisch spanisch - typisch katalanisch
Während unseres Aufenthaltes in Spanien hatten wir die Möglichkeit, viel über die spanische und katalanische Kultur zu lernen. Uns wurde z.B. der Sardana-Tanz vorgestellt. Dies ist ein traditioneller katalanischer Volkstanz, der in wechselnden Kreisformationen getanzt wird. Es hat sehr viel Spaß gemacht, den Tanz auch selbst auszuprobieren. Genauso interessant war der Flamenco-Kurs, den wir an einem anderen Tag besuchen durften. Beim Flamenco spielen vor allem die Bewegungen der Hände und Arme eine wichtige Rolle. Die Tanzlehrerin trug besondere Flamencoschuhe, die bei den schnellen Fußbewegungen einen klackernden Ton erzeugt haben.
Ein weiteres kulturelles Highlight waren die Castells: Dies sind traditionelle katalanische Menschenpyramiden mit sechs bis zehn Etagen, die in Katalonien bei vielen Festen errichtet werden und für die es regelmäßige Meisterschaften gibt, an denen auch ein Team aus Igualada teilnimmt. Wir konnten uns mit unseren Gastfamilien das Training des Teams anschauen. Es war sehr beeindruckend zu sehen, wie die Kleinsten in großer Höhe an den anderen hochklettern.
Auch kulinarisch haben wir viele spanische Besonderheiten kennengelernt, so z.B. mit Hackfleisch gefüllte Auberginen (Berenjenas), Kartoffelomelett (Tortilla de Patatas) und spanisches Gebäck.
Ausflüge nach Sitges und Barcelona
Unser erster Tag in Spanien begann mit einem Ausflug nach Sitges. Dieser kleine Küstenort liegt im Nordosten Spaniens. Dort angekommen, spazierten wir entlang der Strandpromenade und besichtigten die Innenstadt. Wir besuchten Souvenirläden und einen Laden mit den verschiedensten Sorten von Turrón. Turrón ist eine Süßware aus Honig, Nüssen und Eiweiß und als Variante des weißen Nougats bekannt. Da es noch recht warm war, konnten wir das Mittagsessen am Strand zu uns nehmen und sogar mit unseren Füßen ins Meer gehen. Der Tag in Sitges war sehr schön.
Am Mittwochmorgen machten wir uns mit dem Bus auf den Weg nach Barcelona. Dort angekommen stieg eine Stadtführerin zu uns in den Bus, die uns die berühmtesten Sehenswürdigkeiten Barcelonas zeigte und vieles zur Geschichte erklärte. Wir starteten am MontjuÏc, fuhren vorbei am Olympiagelände und dem Stadion vom FC Barcelona über den Plaça de Catalunya bis zu den von Gaudí entworfenen Häusern Casa Batlló und Casa Milà sowie zur Sagrada Familia, der ebenfalls von Gaudi entworfenen Kirche, die ein Wahrzeichen Barcelonas ist. Während der Stadtrundfahrt hatten wir drei Mal die Möglichkeit auszusteigen, um Fotos zu machen und Souvenirs zu kaufen.
Wir freuen uns jetzt natürlich sehr auf den Besuch unserer Austauschpartner im Frühling und darauf, endlich alle wiederzusehen. Wir sind gespannt, welchen Eindruck die spanischen Schülerinnen und Schüler von Frankenberg, der ETS und unserer Kultur haben werden.
Maleah Buda, Emma Lauer, Maria Wagener und Svea Wagner (8e)