Ein Leben für die Schulmusik (wlz-fz, 24.06.2015)

Ein Leben für die Schulmusik (wlz-fz, 24.06.2015)

Oberstudienrat i.R. Wilfried Jerrentrup im Alter von 77 Jahren gestorben

ein leben fuer die schulmusik wlz fz 24 06 2015Aus einer kleinen Streichergruppe heraus hat Willfried Jerrentrup an der Edertalschule eines der größten Schulorchester Hessens entwickelt und mehr als 30 Jahre lang geleitet. Nur wenige Namen sind so eng mit der Kulturszene der Region verknüpft. Am Sonntag ist Willfried Jerrentrup im Alter von 77 Jahren verstorben. Die Zahl der jungen Gymnasiasten, die durch ihn zur Musik gefunden haben, dürfte in die Tausende gehen. Als noch niemand Orchesterklassen und musikalische Früherziehung kannte, lud „Jerry“ Fünftklässler in die Flötengruppe ein, für viele der Grundstock zur Karriere im „großen“ Sinfonieorchester der Edertalschule. Geboren in Helsen, legte er 1958 sein Abitur an der Christian-Rauch-Schule in Bad Arolsen ab. In Marburg und Tübingen studierte er von 1958 bis 1963 Latein, Griechisch, Musik und Evangelische Religion. Sein Referat absolvierte er in Gießen. Im Oktober 1965 kam er an die Edertalschule. 1968 übernahm er dort eine Gruppe von etwa fünf Instrumentalisten, leitete auch den Schulchor. „Ein Kollege von eigenem Profil“, vermerkte der damalige Schulleiter Heinz Heye seinerzeit.  Anfang der 1970er-Jahre legte Willfried Jerrentrup den Flötenkreis und die Streichergruppe der Edertalschule zusammen und bildete eine Blechbläsergruppe. 1973, gerade zum Oberstudienrat ernannt, rief er das Schulorchester – das faktisch schon vorher bestand – auch offiziell ins Leben. 1979 gründete er die Big Band. Ab den 80er-Jahren hatte das Orchester stets zwischen 100 und 120 Musiker. Er hat Spuren hinterlassen, die sicht- und hörbar sind, etwa mit der bis heute bestehenden Tradition, das hymnische „Pomp & Circumstance“ bei allen Schulveranstaltungen wie der Abiturienten-
Entlassung zu spielen. Das Orchester gilt seit langem nicht nur als Klangkörper einer Schule, sondern auch als kultureller Botschafter von Stadt und Landkreis. In den 80er-Jahren leitete Jerrentrup ehrenamtlich die Frankenberger Musikschule. Auch den evangelischen Posaunenchor dirigierte er. Er selbst war Multi-Instrumentalist, unterrichtete auch und war musikalisch vielseitig interessiert. Jeder sollte im Orchester mitspielen dürfen. Wer eine Stimme nicht beherrschte, bekam eigene, handgeschriebene Noten mit unverwechselbarer Typographie, bei denen der Notenkopf nur aus einem Strich bestand. Er war Dirigent und Orchestermanager zugleich. Unterstützung fand er bei Ehefrau Eva, die den Waldecker nach Frankenberg „geholt“ hatte. In der Nähe der Schule baute das Ehepaar ein Haus, vier Söhne kamen zur Welt und wurden – natürlich – alle begeisterte Musiker. „Jerry“ fuhr Tag für Tag mit dem Rad zur Schule. Unter Jerrentrups Regie wurden Orchesterfreizeiten, Schulkonzerte und Auslandsreisen etabliert. 1988 und 2010 erhielt er den Kulturpreis des Landkreises, 1989 den Paul-Dierichs-Preis und 1992 den Ehrenbrief des Landes Hessen. Das Bundesverdienstkreuz sollte er im Jahr 2003 erhalten – doch „Jerry“ lehnte es ab. Direktor Winfried Deichsel bemerkte damals ein Engagement, „wie ich es bisher bei keiner Lehrkraft gesehen habe“. Diese Leistung sei aber nur durch die Unterstützung von Ehefrau Eva möglich gewesen. Der heutige Schulleiter Stefan Hermes würdigt gegenüber der FZ ebenfalls „über das übliche Maß hinausgehendes besonderes Engagement“. Als in den 90er-Jahren der Schulsamstag aus hessischen Stundenplänen gestrichen werden sollte, befürchtete Jerrentrup negative Folgen für die Schulmusik. Bei seiner Pensionierung 2003 sagte er: „Samstag soll wieder Schule sein.“ Es war auch dieser trockene Humor mit einer Spur Sarkasmus – aber nie zu Lasten der Schüler –, der ihn auszeichnete und von dem verschiedene Schülergenerationen bis heute erzählen. Zum Schuljahreswechsel 2003/04 gab er den Taktstock an Markus Wagener weiter, der das Orchester weiterentwickelte und von der Aufbauarbeit Jerrentrups bis heute profitiert. Er blieb auch im Ruhestand noch der Kulturszene verbunden, begleitete Chöre am Klavier, arbeitete als Rezensent für die Frankenberger Zeitung und berichtete von Konzerten. Auch die Schulmusikveranstaltungen besuchte er noch, doch eine schwere Krankheit zwang ihn zum Kürzertreten. Willfried Jerrentrup wird am Freitag um 14 Uhr auf  dem Frankenberger Friedhof beigesetzt.