Ruhe und wenig Verkehr (HNA, 06.05.2015)
20 türkische Austauschschüler aus der Millionen-Metropole Istanbul zu Gast
Für die 20 Austauschschüler aus der Türkei, die für eine Woche zu Gast an der Edertalschule sind, ist Frankenberg faszinierend: Es gibt wenig Verkehr, schöne Landschaft und viele kleine Häuser. Ganz im Gegensatz zu ihrer Heimatstadt Istanbul, wo 14 Millionen Menschen leben. „Deshalb ist es hier so interessant für die Schüler“, betonte ihr Lehrer Gökhan Nalcaci, als die Gruppe jetzt von Bürgermeister Rüdiger Heß offiziell im alten Sitzungssaal begrüßt wurde. Der Englischlehrer ist bereits zum zweiten Mal mit Schülern einer Istanbuler Privatschule zu Besuch in der Illerstadt und ist vor allem von der Gastfreundschaft beeindruckt. Die Eltern, bei denen die Siebtklässler untergebracht seien, würden schon fast einen „Wettstreit“ daraus machen, was sie alles mit den Gastschülern unternehmen und ihnen bieten würden, berichtete er schmunzelnd. Schon der erste Austausch im vorigen Jahr sei sehr schön gewesen. „Da waren es nur zehn Schüler. Dieses Mal habe ich schon 20 dabei – und davon sind 15 Mädchen“, so Gökhan Nalcaci. Das zeige, welches Vertrauen die türkischen Eltern in das Austauschprojekt mit der Frankenberger Edertalschule hätten. Bereits im November seien einige Siebt- und Achtklässler zu einem Gegenbesuch in der Türkei gewesen, teilte Dr. Vroni Retzer von der Edertalschule mit, die den Austausch betreut. Der Kontakt zu den türkischen Lehrerkollegen sei über das Internet zustande gekommen. Da die Austauschprojekte mit England mittlerweile völlig „überfrachtet“ und die USA „zu weit weg“ sei, sei man auf die Idee gekommen, mit der Türkei einen Schüleraustausch zu starten, wo Englisch zumindestens die „Arbeitssprache“ sei. Auch die deutschen Schüler seien sehr beeindruckt von ihrem Türkei-Aufenthalt gewesen, sagte Gökhan Nalcaci, der vor allem von den guten Englischkenntnissen der Edertalschüler angetan war. „Ich bin beeindruckt von dem hohen Level, das die Schüler hier haben“, betonte er. Das habe er bis jetzt in keinem anderen Land erlebt. Der Austausch mit der Edertalschule sei das allerbeste Projekt, das sie je gehabt hätten, lobte er und kündigte an, im nächsten Jahr mit einer noch größeren Gruppe anzureisen. Bürgermeister Heß regte an, dann auch Kontakt mit der türkischen Gemeinde in Frankenberg aufzunehmen. „Mit den türkischen Mitbürgern in Frankenberg fühlen wir uns sehr verbunden“, betonte er. Es sei ein freundschaftliches Miteinander. Zudem gebe es einen Türkisch-Deutschen Verein. Die Schüler aus Istanbul bleiben noch bis zum kommenden Samstag in ihren Gastfamilien und treten dann wieder die Heimreise an. Wahrscheinlich müsse der Transport zum Frankfurter Flughafen mit Autos der Gasteltern organisiert werden, kündigte Dr. Vroni Retzer mit Blick auf den Streik der Lokführer an.

