Wenn die Kirchenmauern vibrieren (wlz-fz, 07.03.2014)

Wenn die Kirchenmauern vibrieren (wlz-fz, 07.03.2014)

Konzert des Jugendsinfonieorchesters der Frankenberger Edertalschule in der Kirche zu Frankenau

Superman, Peer Gynt, Batman, Beethoven, Indiana Jones und der Weiße Hai zusammen in der Kirche: Zum Auftakt der Konzertsaison spielte das Jugendsinfonieorchester der Frankenberger Edertalschule am Sonntag unter dem Motto "Durch die Nacht zum Licht" in der Kirche zu Frankenau. Markus Wagener, Leiter des Orchesters, hat sich bei dem Motto viel gedacht. Es greift den Gedanken der Entwicklung auf, der Wandlung vom Bösen zum Guten, vom Winter zum Sommer, von Moll zu Dur, der Bewältigung von Krisen, wie sie im täglichen Leben vorkommen; spannend wie die Mischtöne einer Morgendämmerung - eben aus der Nacht zum Licht. Dazu passen Musiken von John Williams, der für viele Kino-Filme Musik komponierte, in denen es um das Motto „Gut gegen Böse“ geht und bei denen das Gute natürlich siegt, wie bei Superman, Batman oder auch Star Wars, und von Beethoven, der in seiner Sinfonie Nr. 5 es allein durch die Kraft seiner Komposition schafft, dass der Zuhörer die Verklanglichung des Weges aus seiner Krise spürt. Erstaunlich ist hierbei einerseits, dass das Orchester nach Original-Noten spielt und nicht nach vereinfachenden Arrangements. Musiken aus Film („A Tribute to John Williams“, „Batman - The Dark Knight“) und Musical („Les Miserables“), vor allem aber Beethovens Sinfonie wirken im Original kraftvoller und brillianter und bewiesen, dass das Orchester diesem Schwierigkeitsgrad gewachsen ist und zu den besten Schulorchestern Hessens gehört. Andererseits  passte  nur  etwa das halbe Orchester in das Frankenauer  Gotteshaus, und doch brachten  es  die  40  Schüler fertig,  auch  mit  dieser  Besetzung das Publikum in seinen Bann zu ziehen. 

Denn  trotz  der  bevorstehenden  Prüfungen  spielten auch  einige  Abiturienten  mit, die  durch  ihre  Erfahrung  eine wertvolle Stütze für die jüngsten Nachwuchsmusiker  im  Orchester sind und zusätzlich als Solokünstler  eine  besondere  musikalische Einzelleistung zeigten. So  auch  die  junge  Solistin  Ja-na Engelhard aus der Jahrgangs-stufe  13,  die  Mendelssohn  Bar-tholdys  Violinkonzert  in  e-Moll spielte  und  Technik,  Können und Sympathie meisterhaft verband.  Hochvirtuos,  in  höchsten Lagen und mit hohem Tempo  bewies  sie  ihr  außerordentliches  Talent.  Überhaupt  zeigten  die  Streicher  eine  starke Leistung  beim  Präludium  aus Edward  Griegs  „Holberg-Zeit-Suite“. Bei dem Stück „In der Halle des Bergkönigs“  aus  Griegs  Peer-Gynt-Suite  oder  dem  3.  und  4. Satz aus Beethovens anspruchs-voller Sinfonie Nr. 5 musste Wagener  allenfalls  mit  einem  Lächeln  die  Bläser  herunterdimmen, die durch ihre überschäumende  Spielfreude  mit  ihren strahlenden Bläserparts die Kirchenmauern  vibrieren  ließen. „Das  ist  hohe  Kunst  und  ein sehr anspruchsvolles und schö-nes Programm mit Stücken, die jeder Musiker gern einmal spie-len will“, sagte Wagener. Mit  der  kurzen  „Superman-Fanfare“  setzte  das  Jugendsinfonieorchester  ein  neues  musikalisches  Signet  zur  Begrüßung ein,  traditionell  zum  Abschied spielte  es  „Pomp  and  Circumstance“. Dieses Auftakt-Konzert machte  Appetit  auf  die  bevor-stehenden  Konzerte,  in  denen dann  zusätzlich  zum  Jugendorchester  und  der  Orchesterklasse  6  auch  noch  Griegs  Klavierkonzert a-Moll und der Blasmusikmarsch  „Die  Sonne  geht auf“ zu hören sein werden.