Extrapunkt fürs „Wohoo!“ (HNA, 18.02.2014)
Schüler lasen bei der dritten Meisterschaft im Poetry-Slam an der Edertalschule
Die Zuschauer des Poetry Slams in der Kulturhalle an der Edertalschule in Frankenberg können sich vor Lachen kaum noch halten. Sie jubeln lauthals, als Schüler Julius Engelbach seinen Text vorträgt, in dem er sich selbst und seine Körpergröße durch den Kakao zieht. „Beim Basketball fühle ich mich wie die Mauer, die in Miley Cyrus neustem Werk von einer Kugel zertrümmert wird“, sagt er, und: „Napoleon war doch auch nur ein dickes fettes Kind wie ich, das von den anderen aus der Klasse Europa gemobbt wurde.“ So viel Witz und Selbstironie gefällt dem Publikum. Am Ende seines Vortrags klatschen alle Zuschauer, einige stehen sogar auf. Die Publikums-Jury bewertet seinen Beitrag als den besten von insgesamt 20 an diesem Abend. Mit so einem Erfolg hätte Engelbach nicht gerechnet. Erst vor zwei Tagen hat er in einem Workshop an der Schule seinen ersten Slam-Text geschrieben. Der Auftritt in der Kulturhalle ist sein erster.
Für gute Stimmung sorgt auch Manuel Cronau. Der 18-jährige trägt Sinnsprüche und Kurzgedichte über Karrieredruck, Stress und andere Kuriositäten aus dem Alltag vor. Zum Beispiel: „Wenn ich auf dem Lokus sitze und über eine Frage schwitze, wünsche ich mir es käme eine Antwort, jetzt und hier, so einfach aus dem Bauch heraus wie meine Exkremente.“ Oder: „Im Folgenden möchte ich etwas über mein liebstes Küchenutensil erzählen. Das Gedicht heißt ‘Die Fritöse’. Ach, du Fritöse! Aus dir schmeckt alles besser!“ Die Zuschauer applaudieren. „Wohoo!“ rufen einige. Die Publikums-Jury hält ihre Wertungstafeln hoch. Moderator Felix Römer zählt die Punkte zusammen und fordert danach das Publikum auf: „Ihr könnt gerne noch einen Extrapunkt vergeben. Ihr müsst mir nur sagen, wofür.“ Jemand ruft: „Extrapunkt fürs ‘Wohoo’!“ Römer genehmigt das. Tatsächlich bekommen alle Slammer an diesem Abend einen Extrapunkt verliehen – ein Grund fällt dem Publikum immer ein: „Weil der Slammer süß ist!“ „Für die Tiefe des Texts“ oder „Weil das Wort ‘Bundesinnenpudel’ vorkam.“ Ernste Töne gibt es an diesem Abend auch, zum Beispiel von Gregor Schuppan. Der 15-jährige Elftklässler hat heute seinen ersten Auftritt. Er ist nervös wie Sau, als er die Bühne betritt. Schuppan trägt einen nachdenklichen Text mit dem Titel „Ewigkeit“ vor. In poetischer Sprache erzählt er vom Tod und der Vergänglichkeit des Lebens: „Worauf sind wir alle hinaus? Was wollen wir erreichen? Wollen wir versuchen, in den Herzen und Gedanken unserer Liebsten zu bleiben?“


