Theater-AG der Edertalschule zeigt „Kleider machen Leute“
Gottfried Kellers Novelle „Kleider machen Leute“ aus dem Jahr 1874 zu kennen, gehörte früher zur Allgemeinbildung. Die Theater-AG der Edertalschule hat sich jetzt daran gemacht, von einer der bekanntesten Erzählungen der deutschsprachigen Literatur den Staub der Schullektüre zu blasen und daraus ein modernes Bühnenstück zu entwickeln, das am kommenden Mittwoch, 29. März, 19.30 Uhr, in der Kulturhalle Premiere hat. Die letzten Proben laufen auf Hochtouren, und so viel sei schon mal verraten: Da wird viel Staub weggeblasen! Kellers Textvorlage handelt von dem Schneidergesellen Wenzel Strapinski, der sich trotz Armut gut kleidet. Er gelangt in eine fremde Stadt und wird dort für einen polnischen Adeligen gehalten. Nachdem er aus Schüchternheit versäumt hat, die Verwechslung aufzuklären, versucht er zu fliehen. Doch da betritt Nettchen, Tochter des Amtsrates, den Schauplatz. Die beiden verlieben sich ineinander, worauf der Schneider die ihm aufgedrängte Grafenrolle weiterspielt. Dafür, dass der vermeintliche Hochstapler entlarvt wird, sorgt ein verschmähter Nebenbuhler. Auf der Verlobungsfeier kommt es zum Skandal. Sehr schnell soll in der aktuellen Inszenierung der Edertalschüler deutlich werden, dass Kellers Geschichte wieder ungemein aktuell ist. „Das Spiel von Schein und Sein hat sich im 21. Jahrhundert mehr und mehr in das virtual life verlagert: Wie stelle ich mich in den soziale Medien dar? Welches Gesicht zeige ich? Wie inszeniere ich mich, um möglichst viele Likes für meine Insta-Storys zu erhalten?“, berichtet Thorsten Jech, der die Theater-AG zusammen mit Daniel Herbrich leitet. Es seien immer mehr die „virtuellen Kleider“, die sich Menschen anlegten. „Und wir lassen uns nur zu gern verführen und blenden von der schönen neuen Insta-Welt. Insta wird zum virtuellen Laufsteg, auf dem wir uns unseren Followern präsentieren.“ Kellers Vorlage diente der Theater AG als eine Art literarischer Baukasten. „Wir behalten die Liebesgeschichte bei, verlegen die Handlung in die Gegenwart. Die Haupthandlung wird dabei immer wieder durchbrochen, um weiteren Aspekten rund um das Thema Modelwelt und Kleidung Raum zu geben“, erläutert Jech. Kleidung diene dabei zur Selbstdarstellung, aber auch zur Abgrenzung, sie sei identitätsstiftend und zeige unseren Status. Gleichzeitig wollen die jungen Theaterleute aber auch bewusst machen, dass Kleidung vielfach unter menschenunwürdigen Bedingungen produziert wird, angefangen vom pestizidgeschwängerten Baumwollanbau über Kinderarbeit bei der Baumwollernte bis hin zu Lohnsklaverei der Textilarbeiterinnen, „damit wir als Endkonsumenten das Shirt für 4,99 Euro kaufen können“, überlegten sie sich. Viele der Szenen entstanden nach intensiven Diskussionen, so auch auf der zweiten Theaterfreizeit, bei der die AG-Mitglieder eine eigene Ästhetik aus Choreografien und Texten entwickelten, um möglichst viele Facetten des Themas zu entfalten. „Wir verzichten weitgehend auf naturalistisches Spiel zugunsten eines Mix aus postdramatischen, dokumentarischen und biografischen Inszenierungsansätzen“, kündigt Co-Spielleiter Daniel Herbrich an. (thag-ets.de)
Termine und Karten
Das aktuelle Stück „Kleider machen Leute“ der Theater AG der Edertalschule wird aufgeführt am Mittwoch, 29. März (Premiere), Freitag, 31. März, Samstag, 1. April und Sonntag, 2. April (Dernière), jeweils ab 19.30 Uhr in der Frankenberger Kulturhalle. Die Eintrittspreise betragen 10 Euro, ermäßigt für Schüler und Studierende 6 Euro. Karten im Vorverkauf gibt es bei Bücher Jakobi, Buchhandlung Hykel, im Lädchen und im Sekretariat der Edertalschule sowie jeweils an der Abendkasse ab 18 Uhr.
Text und Foto: Karl-Hermann Völker