Wie die „Penne“ damals war (HNA, 25.04.2017)

Wie die „Penne“ damals war (HNA, 25.04.2017)

Walter Sellmann blickte im Geschichtsverein auf die eigene Schulzeit zurück

wie die penne damals war 250417Gutes Zeugnis der Grundschule, eine Woche Aufnahmeprüfung, dann die Zahlung von Schulgeld - das waren für das elfjährige Bauernkind Walter Sellmann aus Rennertehausen 1946 die Bedingungen, um als Fahrschüler das Gymnasium Edertalschule zu besuchen. Die kleine Haltestation Rennertehausen war zu dem Zeitpunkt Unterkunft für eine vierköpfige Flüchtlingsfamilie. „So erlebten wir die Penne“ stand über dem bebilderten Bericht, mit dem der heute 82-jährige Rektor a. D. Walter Sellmann im Frankenberger Geschichtsverein Rückschau hielt auf ein Stück Schul- und Zeitgeschichte der Nachkriegszeit. Zu dem Vortrag waren so viele Wegbegleiter, Geschichtsinteressierte und Freunde der Edertalschule in die Mauritiuskapelle des Kreis-Heimatmuseums gekommen, dass zusätzliche Bänke und Stühle aufgestellt werden mussten. „Zwischenrufe aus dem Publikum sind ausdrücklich erwünscht“, brauchte Sellmann nur einmal zu sagen, um bald einen lebhaften Dialog mit dem Publikum anhand der von ihm gezeigten Bilder und Originaldokumente zu führen. Ehemalige Mitschüler wie der spätere Pfarrer Albert Imhof und die Lehrerin Luise Bittner lasen Originalzitate aus Tagebüchern und Schülerarbeiten vor. Walter Sellmann, langjähriger Leiter der Mittelpunktschule Allendorf, ist seit Jahrzehnten in der Heimatforschung des Oberen Edertals aktiv. Er hat deshalb mit sehr viel Bewusstsein die Dokumente seiner Schulzeit aufbewahrt und konnte so am Beispiel seiner besonders liebevoll geführten Biologiehefte auch zeigen, wie sich Lehrerpersönlichkeiten wie Dr. Leo Pfab auf die Entwicklung der Schüler auswirkten, oder wie aus einem Protokoll des Religionsunterrichts bei Pfarrer Heinrich Balzer bereits die Heranführung an eine historisch kritische Bibelexegese deutlich wurde.  Wanderungen und Studienfahrten wurden von den Lehrkräften in den 1950er-Jahren sorgfältig geplant, mussten von der Schulleitung genehmigt werden, und die geografischen Schwerpunkte für die vier Oberklassen (Küstenlandschaft, Alpen, Industriegebiet, freie Wahl des Abschlussziels) waren an der Edertalschule genau festgelegt. „Wir konnten uns gar nicht sattsehen an der Schönheit der Alpen, und ihr Anblick wird uns unvergesslich bleiben“, zitierte Sellmann aus einem Bericht über das Bergwandern im Allgäu.

Ganz nachhaltig erwachsen ist aus Walter Sellmanns Abiturjahrgang von 1956 eine feste Ehemaligen-Gemeinschaft, die sich mittlerweile mit Partnern alljährlich wiedersieht. Das nächste, schon 27. Klassentreffen wird am kommenden Mittwoch, 26. April, ab 9.30 Uhr in der Frankenberger Ratsschänke stattfinden. Rektor a. D. Adolf Schneider, ehemaliger Sachsenberger Mitschüler des Abi-Jahrgangs, stimmte am Schluss spontan im Heimatmuseum mit allen Zuschauern noch einmal den Lieblings-Kanon der Gruppe „Dona nobis pacem“ an.