Ein Dichter zum Anfassen (wlz-fz, 23.07.2015)

Ein Dichter zum Anfassen (wlz-fz, 23.07.2015)

Schüler aus elf Nationen sprechen mit Nevfel Cumart übers Schreiben, über Integration und Migration

ein dichter zum anfassen wlz fz 23 07 2015Drei Religions- und Ethikkurse der Edertalschule und zwei Realschulklassen Jahrgangsstufe 8 der Ortenbergschule haben den Dichter Nevfel Cumart kennengelernt. Mit seiner lockeren und humorvollen Art gelang es dem Lyriker schnell, die Schüler in seinen Bann zu ziehen. „Fragt mich, was ihr schon immer von einem Schriftsteller wissen wolltet“, bat er die Jugendlichen. Anfangs hielten sich die Schüler noch zurück, doch dann schnellten die Finger immer häufiger nach oben. „Was hat Sie dazu animiert zu schreiben? Ich frage das, weil ich selber schreibe“, eine Schülerin  „Und was hat dich bewegt zu schreiben?“ fragte Cumart zurück. Schon bald trauten sich die Schüler, mehr zu fragen: Wann haben Sie Ihr erstes Gedicht geschrieben? Kann man davon leben? Was verdient man an einem Buch? Was ist Ihr Lieblingsgedicht? Wer ist Ihr Lieblingsautor? Cumart gab bereitwillig und sehr persönlich Auskunft. „Es ist hart, wenn man davon leben will, nur wenige schaffen das. Die meisten Dichter haben einen Beruf, von dem sie leben, und schreiben nebenher.“ Nevfel Cumart schreibt neben seinen Gedichten auch Fachaufsätze und Rezensionen, hält Vorträge und Lesungen und gibt Schreibworkshops an Schulen. Seit 1993 arbeitet er als freier Schriftsteller. Mit seiner Lebensgeschichte beeindruckte Cumart die Lehrer und Schüler gleichermaßen. Der Lyriker ist in Lengenfeld bei Stade als Sohn von türkischstämmigen Einwanderern geboren. Das Zusammentreffen von zwei Kulturen in seiner Biografie ist für ihn immer wieder Ausgangspunkt seiner Gedichte. Er machte deutlich, wie anstrengend dieser Weg ist, wenn man aus einer fremden Kultur kommt. „Migration und Integration ist kein Zuckerschlecken.“ Damit traf er die Lebenswirklichkeit vieler seiner Zuhörer in der  Ortenbergschule. Die 30 Schüler kommen aus elf verschiedenen Ländern. So fand keine trockene Dichterlesung statt, vielmehr war es ein Dialog auf Augenhöhe und fasste in Worte, was andere auch so empfinden.


Ratschläge eines Dichters
Cumart hatte einige Botschaften für Schüler mit Migrationshintergrund:
„Integration ist anstrengend, Ihr müsst viel mehr leisten als eure Mitschüler mit deutschen Wurzeln.“
„Der Schlüssel zur Integration ist Sprache und Bildung, Bildung und noch mal Bildung.“
„Pflegt auch die Kultur und Sprache eurer Herkunft.“
„ Seid fleißig und macht immer einen Abschluss. Schließt im Leben alles ab: die Schule, die Ausbildung, das Fahrrad.“
„Lasst euch nicht von Widerständen und Beschimpfungen abhalten.“
„Nehmt alle Hilfen, die man euch bietet, dankbar an.“
„Fremdsein ist keine Gefährdung, sondern eine Bereicherung, das gilt für euch und eure Eltern und für die deutsche Gesellschaft gleichermaßen.“