Kontrast zum Großstadt-Leben (wlz-fz, 03.06.2015)

Kontrast zum Großstadt-Leben (wlz-fz, 03.06.2015)

Schüler aus Singapur und Australien sind zu Gast in Frankenberg

kontrast zum grossstadt leben wlz fz 03 06 2015Besuch in einer fremden Welt: Zwölf Schüler aus Singapur und einige Australier sind derzeit zu Gast in Frankenberg - und empfinden die Kleinstadt als abwechslungsreichen Kontrast zum Leben in der Millionen-Metropole. Es ist eine Welt strenger Regeln und großen wirtschaftlichen Erfolgs, aus der die Gäste stammen: Zwölf Schüler aus Singapur sind zurzeit zu Gast in Frankenberg, außerdem einige aus „Down Under“. Wirtschaftlichen Erfolg gibt es auch in Frankenberg – doch wird an der Eder einiges ein wenig lockerer gesehen. Die Schüler sind die besten ihrer Leistungsklasse: Stipendien ermöglichen den Besuch, es gibt eine Förderung durch den Pädagogischen Austauschdienst. „Das ist auch der Grund, warum wir das so regelmäßig anbieten können“, sagt der Frankenberger Gymnasiallehrer Marco Nezi: Seit mehr als 30  Jahren besuchen junge Singapurer das kleine Frankenberg. „Die Schüler finden es hier super“, sagt Nezi: Sie kommen aus einem Stadtstaat mit mehr als 5,3 Millionen Einwohnern – einer der produktivsten Wirtschaftsregionen der Welt. Ihre Fragen, die sie im Rahmen der offiziellen Begrüßung durch den Bürgermeister an Rüdiger Heß haben, zeigen jedoch, dass ihre Interessen, Sorgen, Probleme ähnlich sind wie die hiesigen: „Gibt es in Frankenberg auch Industrie?“, fragt mitten im Altstadtidyll ein Schüler. Ja, erläutert Heß, die gäbe es – und zählt Unternehmen wie FingerHaus, Hettich und die vielen aus dem Unternehmen hervorgegangenen Heißkanal-Anbieter auf, nennt aber auch Thonet. Das Traditionsunternehmen steht im Laufe der nächsten drei Wochen auch auf dem Besuchsprogramm der Schüler. „Gibt es in Frankenberg auch Probleme, weil die Menschen immer älter werden?“, fragt ein anderer Schüler: Der demografische Wandel spielt auch im räumlich eng begrenzten Singapur eine große Rolle. Heß geht auf die Familienstadt und insbesondere den Seniorenbeirat ein, gibt Beispiele für Teilhabe Älterer wie etwa den Seniorennachmittag beim Pfingstmarkt. Die Schüler wollen zudem wissen, wie viele Einwohner Frankenberg hat, wie viele jährlich etwa hinzukommen und fortgehen – und wie viele Asiaten an der Eder leben. Genau beantworten kann Heß Letzteres nicht, verweist aber auf die gastronomischen Angebote asiatischer Mitbürger. „Ich bin stolz, dass wir 79 Nationalitäten in Frankenberg haben“, sagt er: Die Stadt sei ein „kleines Mulikulti“ und interkulturell aufgestellt. Das tue ihr gut.Für die Schüler, die meisten sprechen beinahe fließend Deutsch, ist es der erste Kontakt mit deutscher Kultur und Sprache außerhalb des Unterrichts. Und weil „German Romanticism“, also das romantisch verklärte Bild von Deutschland für viele Touristen eben dazu gehört, steht auf dem Besuchsprogramm auch einiges, was die Gastgeber eventuell als „Kitsch“ bezeichnen würden, was aber oftmals viel eher Historie ist: Die Gäste besuchen das Dornröschenschloss Sababurg und den Bergpark Wilhelmshöhe, sie fahren nach Rüdesheim und besuchen ein Wienerwald-Restaurant. Sie sind aber auch im Marburger Botanischen Garten, am Edersee oder – wenn ihre Gasteltern und -geschwister mögen – auf dem Hessentag in Hofgeismar.