Theater in Thonet-Halle (HNA, 25.04.2015)
Proben und Aufbauarbeiten der Edertalschüler laufen auf Hochtouren
Neuer Spielort, neuer Regisseur, neues Stück: Mit „Momo - (k)einem Kinderstück“ meldet sich die Theater-AG der Edertalschule in der Frankenberger Kulturszene zurück. Bereits in den letzten Tagen der Osterferien haben Techniker und Darsteller mit dem Aufbau von Bühne und Zuschauerrängen im Werk I der Firma Thonet GmbH begonnen, es fanden Theaterfreizeiten und viele wöchentliche Probenstunden statt. Der Premierentermin rückt näher: Mittwoch, 6. Mai, ab 20 Uhr, Thonet-Werkshalle. Sie nennen den ehemaligen Produktionssaal liebevoll „Schiff“ und setzen die Baupläne um, die das Frankenberger Architekturbüro Finger für die zeitweilige Nutzung entwickelt hat. „Alle müssen beim Aufbau mithelfen, gerade auch hier in der für uns neuen und unbekannten Halle“, sagt Thorsten Jech, neuer Leiter der Theater-AG. „Wir begreifen unsere Arbeitsgemeinschaft als ganzheitliches Projekt, bei dem alle von der Entwicklung der Szenen über das Layout von Programmheft und Plakat bis hin zum Aufbau von Bühne und Tribüne beteiligt sind.“ In den Tagen vor der Premiere wird an drei Tagen auf Hochtouren geprobt, bevor sich die Schüler ihrem Publikum stellen. Das wird dann ein Stück zu sehen bekommen, das – so Jech – „einige nachdenklich stimmende und besinnliche, aber auch teils brachial komische Situationen zeigt.“ Michael Endes Roman „Momo“ beschreibt das Treiben der Organisation der grauen Herren. Sie will die Menschen in einer normalen Durchschnittsstadt dazu bringen, möglichst viel Zeit zu sparen. In Wahrheit aber geht es darum, die Menschen um ihre Zeit zu betrügen: Denn während sie sich bemühen, Zeit für später zu sparen, vergessen sie, miteinander zu lachen und zu weinen, sich zuzuhören oder sich zu streiten, kurzum: miteinander zu leben. „Unsere Eigenproduktion beruht auf vielen Motiven, die wir dem Roman entnommen haben“, berichtet Jech. „Aber einen Roman kann man nicht so ohne weiteres 1:1 auf die Bühne bringen. Deshalb haben wir einiges verändert, an die heutige Zeit angepasst, manches gestrichen, anderes hinzugefügt.“ So werden zum Beispiel (Jech: „genderkonform...“) aus grauen Herren „Graue Damen und Herren“. Dem zielgerichteten Vorgehen der Grauen Damen und Herren stellen sich in der Bühnenfassung vor allem die Kinder der Stadt und insbesondere Momo entgegen. Michael Endes vor über 40 Jahren geschriebener Roman ist kein Buch, das sich ausschließlich an Kinder richtet, haben die Mitglieder der Theater-AG festgestellt. „Vielmehr hat der Autor seinerzeit nahezu prophetisch unsere heutige Welt beschrieben. Insofern ist die Aussage des Stücks heute aktueller denn je: Zeit ist nicht Geld, Zeit kann man nicht für später aufbewahren“, heißt es in der Ankündigung.
Gestohlene Lebenszeit zurückgewinnen
Zeit ist Geld“, „schneller, schneller, schneller“, „beeil dich mal“, „du musst Zeit einsparen“ – wer kennt nicht diese oder ähnliche Aufforderungen?“, fragten sich die Schülerinnen und Schüler der Theater-AG der Frankenberger Edertalschule. Sie fanden den Umgang mit der Ressource „Zeit“ in unserer heutigen Gesellschaft so spannend, dass sie beschlossen, darüber ein Stück auf die Bühne zu bringen. „Endes Roman und unsere Theaterfassung handeln davon, wie es dem Mädchen Momo gelingt, den Menschen die ihnen gestohlene Lebenszeit zurückzugewinnen. Die Grundidee ist modern“, so der neue Leiter der Theater-AG, Thorsten Jech – der Nachfolger von Paul Möllers. „Denn Arbeitszeitverdichtung, Schulzeitverkürzung, Lebensarbeitszeitverlängerung, permanentes Online-Sein in der digitalen Welt, Stress und Burnout sind zu festen Bestandteilen und Begleiterscheinungen unserer heutigen Welt geworden.“ Momo ist ein Mädchen unbestimmten Alters, das vor allem eines kann: gut zuhören. So versucht sie, gegen die „neue Art zu leben“, die alle Menschen angesteckt hat, mit ihren Mitteln zu kämpfen. Doch nach und nach muss sie feststellen, dass auch ihre Freunde keine Zeit mehr für sie haben, eine von den Kindern initiierte Demonstration gegen die neue Lebensart scheitert, ihr Freund Beppo gerät in eine Zwangslage und der Fremdenführer Gigi erliegt den Verlockungen der neuen Zeit. Nachdem auch die Kinder „keine Zeit mehr haben“, steht Momo nahezu allein, bis ihr auf fantastische Art und Weise Hilfe zuteil wird – zu erleben demnächst mit eindrucksvollen Monologen und großer Showszene der Frankenberger Theater-AG auf der neuen Thonet-Bühne in Frankenberg.
Spieltermine und Vorverkauf
Die Inszenierung der Theater-AG an der Edertalschule „Momo - (k)ein Theaterstück für Kinder“ wird zu sehen sein am Mittwoch, 6. Mai (Premiere), Freitag, 8. Mai, Samstag, 9. Mai, und Sonntag, 10. Mai, jeweils ab 20 Uhr. Diese „Dernière“ am 10. Mai ist zugleich als Prolog für die Theaterwoche Korbach gedacht. Neuer Ort der Aufführungen ist die Thonet GmbH, Werk I, Frankenberg mit Parkmöglichkeiten am Werk II (auf der anderen Seite der Bahn). Karten gibt es für neun und sechs Euro in Frankenberg in der Buchhandlung Jakobi, im Lädchen gegenüber der Edertalschule sowie in Korbach in der Buchhandlung Urspruch.

