Lady Macbeth wird zu Carmen Geiss (wlz-fz, 16.07.2014)
Kurse „Darstellendes Spiel“ der Edertalschule präsentieren selbst inszenierte Theaterstücke
Wenn Lady Macbeth ihren Gatten „Roooooobeert“ ruft und in glitzernden Stöckelschuhen über die Bühne trippelt, ist klar: Das wird keine klassische Shakespeare-Inszenierung. Die Edertalschüler haben sich neben der klassischen Tragödie außerdem „Die Welle“ von Morton Rhue vorgenommen. Zum Ende jedes Schuljahres präsentieren die Kurse „Darstellendes Spiel“ der zwölften Jahrgangsstufe Theaterinszenierungen. Die Stücke haben sie im Laufe des Jahres ausgewählt, bearbeitet und mit Unterstützung ihrer Lehrer einstudiert. Am Montagabend zeigten die Kurse die Ergebnisse in Form einer Aufführung für Eltern und Mitschüler. Ein weiterer Kurs hatte bereits in der vergangenen Woche seine Projektarbeit aufgeführt. Ihre eigene Version von „Die Welle“ haben die Schüler von Antje Rau geschaffen. In dem Buch erlebt eine Schulklasse, wie Gruppendynamik außer Kontrolle gerät und wie schnell die eigene Meinung nicht mehr zählt, wenn sie nicht der des Kollektivs entspricht. Aus Disziplin wird Zwang Wirkungsvoll nutzten die Edertalschüler Kleidung, Farben, Musik und Bewegungen, um den Wandel von der Individualität hin zur Uniformität,und von einzelnen Gruppen – die Hipster, die Reichen, die Sportler und die Streber – zu einer Gemeinschaft darzustellen. Doch aus Disziplin wird Zwang, die Jugendlichen verlieren ihre Individualität auf Kosten der Zugehörigkeit. Was für die einen Solidarität ist, bedeutet Ausgrenzung und Ausschluss für die anderen.
Mit Videosequenzen und der Erweiterung des Spielraumes in den Zuschauerraum sorgten die jungen Darsteller sowie ihre Helfer hinter der Bühne und in der Technik für eine abwechslungsreiche und ausdrucksstarke Interpretation des Stoffes. Immer wieder gab es auch etwas zu lachen, etwa als die Schüler „Heul‘ leise!“ riefen – ein Zitat aus dem erfolgreichen Film „Fack ju Göhte“. Die Einbeziehung des Zuschauerraumes, Humor und Multimedialität nutzte auch der Kurs von Ingrid Obermann, der seine Version von „Macbeth“ erarbeitet hat: Die Schüler haben in einem Mix von Stilen und Genres die Eheleute Macbeth in die aktuelle Welt des Adels geholt – des Geldadels, um genau zu sein. Denn als Vorbild für Macbeth und seine Lady dienen Robert und Carmen Geiss, die mit einer Fernsehserie über ihr Luxus-Leben deutschlandweit berühmt geworden sind. Und so ist Lady Macbeth „so confused von den ganzen News“, dass sie erst mal zum Friseur muss. Bevor die Schüler mit „Rooobeeert“- Rufen und Sätzen wie „pass op jetz“ für ein ungewohntes Macbeth-Bild sorgten, schafften die drei Hexen in schwarzen Roben mit düsterer Musik und passenden Grafiken auf der Leinwand eine düstere Atmosphäre auf der Bühne. Bei den Mordszenen zogen die Schüler alle Register: Dabei kam gelungenes Schattentheater ebenso zum Einsatz wie eine illustre Menge Ketchup. Banquos Tod inszenierten sie an der Grenze zum Lächerlichen. Der gelungene Effekt eines immer länger werdenden, roten Tuches, das er aus seinem Hemd zog, wurde von seinen Ausrufen „Oh nein! Ich blute! Uuuääääh!“ konterkariert. Als Höhepunkt landet Macbeth als Kandidat bei „Wer wird Millionär“ – und bekommt rechtzeitig zu seinem Tode noch die Aufforderung „Die, bloody bastard, die“. Das Publikum belohnte die Schüler mit anhaltendem Applaus für ihre Leistungen und auch Schulleiter Stefan Hermes zollte ihnen Respekt und Anerkennung für die erbrachte Leistung.


