Fantasie des Publikums angeregt (HNA, 14.07.2014)

Fantasie des Publikums angeregt (HNA, 14.07.2014)

Darstellendes Spiel an der Edertalschule: Schüler präsentierten Don Juan und Dürrenmatts „Die Physiker“

ds auffuehrung hna 14 07 2014

Einen nicht alltäglichen Zugang zum Theater erarbeiteten sich die Teilnehmer der Kurse „Darstellendes Spiel“ am Frankenberger Gymnasium Edertalschule während des zu Ende gehenden Schuljahrs. Das Ergebnis ihrer intensiven Beschäftigung mit verschiedenen Werken der klassischen Dramenliteratur stellten sie nun Eltern und Freunden in der voll besetzten Kulturhalle vor. Den Anfang machte „Don Juan“, basierend auf dem Stück des spanischen Komödienschreibers Tirso de Molino aus dem 17. Jahrhundert. In der Sage geht es um die maßlose Gier des Frauenhelden Don Juan, der seinen Egoismus voll auslebt und keinerlei Rücksicht auf die Bedürfnisse seiner Mitmenschen legt. Die Schüler, die einzelne Szenen des Dramas überarbeitet und für das heutige Verständnis modernisiert hatten, präsentierten den Womanizer Juan als Opfer seiner eigenen Triebe, der sich seiner Missetaten wohl bewusst ist. Nachdem er seinen Charme erfolgreich eingesetzt hat, akzeptiert er letzten Endes die Rachegelüste der gehörnten Ehemänner und auch deren wütender Frauen, die das böse Spiel durchschauen. Wird Don Juan ermordet? So richtig klären ließ sich das nicht, denn die Bühne gab zumindest keine Leiche frei. Doch die Fantasie der Zuschauer wurde angeregt in Richtung Kollektivbestrafung à la Friedrich Dürrenmatt, dessen Werk „Die Physiker“ als zweites Stück an diesem Abend präsentiert wurde.

Im Mittelpunkt stehen hier die Wissenschaftler Einstein, Newton und Möbius, die als Insassen einer psychiatrischen Heilanstalt zusammentreffen. Möbius hat die so genannte Weltformel entdeckt, mit deren Hilfe er die globalen Probleme lösen möchte. Damit die Formel kein Unheil anrichten kann, wird sie streng gehütet, doch da gibt es auch noch die undurchsichtige Chefärztin Dr. Mathilde von Zahnd, die ihre eigenen Interessen verfolgt. Letztlich geht es um die Verantwortung des Wissenschaftlers und seiner Forschung, ein Thema, das seit der Uraufführung 1962 nichts an Brisanz verloren hat. „Was alle angeht, können nur alle lösen“, heißt es zum Schluss. Ob dabei die Erde unbewohnbar wird oder sich ein Happy End mit gemeinsamem lebensfrohem Tanzen anbahnt, konnte allerdings nicht eindeutig beantwortet werden. Die Schüler des Kurses „Darstellendes Spiel“ stellten sich den Herausforderungen der Inszenierung mit Verve und großem Engagement, bei dem deutlich sichtbar auch Spielfreude und Spaß nicht zu kurz kamen. Auch das Publikum amüsierte sich prächtig und applaudierte kräftig bei witzigen oder auch fantasievollen Einfällen der jungen Laiendarsteller. Diese bedankten sich bei den verantwortlichen Lehrerinnen Andrea Weiß und Antje Rau mit bunten Blumensträußen.