Schüler entdecken ihre Wunschberufe (wlz-fz, 17.09.2013)

Schüler entdecken ihre Wunschberufe (wlz-fz, 17.09.2013)

Frankenberger Gymnasiasten der zwölften Klassen erhalten einen Einblick in die Berufswelt

praktikum jg 12 wlz fz 2013

Die Zwölftklässler der Edertalschule in Frankenberg waren zwei Wochen lang keine Schüler mehr, sondern Kollegen. Ein Praktikum gab ihnen die Chance, sich ihre Wunschberufe einmal genauer anzusehen. Das Oberstufengebäude der Edertalschule Frankenberg war fast vollkommen leer. Die Schüler der Jahrgangsstufe 13 waren auf Kursfahrt, aber auch alle „Zwölfer“ fehlten. Sie waren in die Betriebe der Region ausgeschwärmt, um das Berufsleben zu entdecken – schließlich steht für die meisten bald die Entscheidung an: Studieren oder eine Lehre antreten. Alle Schüler waren bereits in der neunten Jahrgangsstufe für zwei Wochen unterwegs, um Betriebserfahrung zu sammeln und einen Eindruck des Berufslebens zu erhalten. Die Idee, ein erneutes Praktikum in der zwölften Jahrgangsstufe anzubieten, kam von den Lehrern Anne Walenzik, Sina Wagner und Jörg Freitag. „Wir hatten viele Rückmeldungen von Schülern und Eltern, die sagten, es sei doch auch für ein Gymnasium sinnvoll, ein Praktikum in der Sekundarstufe zwei zu organisieren“, sagte Stefan Hermes, Leiter der Edertalschule. Mit dem Praktikum solle ein Beitrag zur beruflichen Orientierung geleistet werden – gerne durften die Schüler dafür auch ein Unternehmen außerhalb des Kreises aussuchen.

Die Schüler wählten selbstständig einen Betrieb und schrieben Bewerbungen, die Schule erwartete eine Bestätigung des Praktikumsbetriebs. Bei Problemen hätten die verantwortlichen Lehrer Walenzik, Wagner und Freitag unterstützend bei der Suche geholfen, erläuterte Hermes. Die Schule erhoffe sich von dem erneuten Praktikum interessante Einblicke in betriebliche Abläufe für die Praktikanten und „bestenfalls auch ein weiteres Stück persönlicher Reifung.“ Obwohl das Praktikum deutschlandweit geplant war, sind viele Praktikanten in der Umgebung geblieben. Nur vereinzelt wagten sie sich weiter weg – etwa Jessica Schumann, die in Hamburg bei ECE Projektmanagement ihr Praktikum absolvierte oder Julia Marx. Sie hat es nach Heidelberg zur Gesellschaft für innovative Marktforschung (GIM) verschlagen. „Ich finde das Praktikum sehr interessant, vor allem, weil sie in der GIM vom Joghurt bis zum Staubsauger alles testen“, sagte sie begeistert. Die Schüler durften in den Betrieben viele Arbeiten selbst erledigen. In einer kieferorthopädischen Praxis schliff Nathalie Horn Zahnspangen und Modelle und polierte diese. In einer heimischen Apotheke stellte Patricia Paschen Salben und Cremes her und im Kreiskrankenhaus durfte Sophie Merle Spritzen aufziehen und Infusionen anhängen, während Anna Pauli bei CSL Behring in Marburg Zellen pipettierte und „fütterte“: Sie versorgte die Zellen, damit sie nicht an Nährstoffmangel verstarben. Die Praktikanten hatten die Chance, in den Unternehmen zu helfen und den Mitarbeitern über die Schulter zu schauen. Vielen Schülern gefiel ihr Praktikum: Es sei sehr spannend, die Kollegen seien nett und die Arbeitsatmosphäre gut, erläuterte etwa Victoria Reif. Julia Kopp, Praktikantin in der Uniklinik in Marburg, sagte: „Mit gefällt es total gut. Ich habe schon zweimal in der Uniklinik ein Praktikum gemacht und es hat mir so viel Spaß gemacht, dass es mich wieder dort hin gezogen hat.“ Sie dürfe wegen ihrer Erfahrung mehr machen als „normale“ Praktikanten. „Ich kümmere mich um Mütter und ihre Babys und helfe dabei, die Patienten in den OP zu bringen. Außerdem durfte ich bei einem Kaiserschnitt zusehen.“ „Das Praktikum bringt uns gute Einblicke in den Beruf“, sagte Nathalie Horn. Außerdem sei es eine Hilfe bei der Berufswahl, erläuterte Patricia Paschen. Allerdings zeige eine solche Erfahrung auch, wie anstrengend der Arbeitsalltag sein kann: „Der Schichtdienst ist heftig. Ich habe zwei Wochen lang um sechs Uhr angefangen“, erläuterte Sophie Merle, die ihr Praktikum im Kreiskrankenhaus in Frankenberg absolvierte. Und zieht ein Fazit: „Krankenschwester zu sein, sagt mir nicht so zu.“ Viele Schüler können sich allerdings gut vorstellen, in ihrem Praktikumsberuf auch später einmal zu arbeiten: „Ich kann mir das schon später als Beruf vorstellen, aber als „Plan B“, wenn ich den Numerus clausus nicht schaffe. Ansonsten will ich Kinderärztin werden“, sagte beispielsweise Julia Kopp. Es scheint, als sei der Plan der Schulleitung aufgegangen, den Schülern mit dem Praktikum eine berufliche Orientierung zu geben. Victoria Reif, Praktikantin in einer Logopädiepraxis in Bad Wildungen sagte, sie könne sich Logopädin gut als Beruf vorstellen. „Es ist interessant und abwechslungsreich und mir macht es viel Spaß, mit Menschen zu arbeiten.“