Große Rhythmen der Welt (HNA, 26.08.2013)
Junge Musiker der Christian-Rauch- und Edertalschule bei Open-Air-Classic bejubelt
Kraftvoller Pulsschlag des Lebens, faszinierende Klangbilder der Welt, Chorgesang voll sprühender Freude, ein meisterhaft aufspielendes Jugendsinfonieorchester im dramatischen Dialog mit sechs kreativen Schlagwerkern – das bestimmte am Samstagabend den „Rhythm of Life“ beim 8. Frankenberger Open-Air-Classic im Autohaus Beil. Mehr als 1000 Zuhörer bejubelten nach einem stimmungsvollen Freiluft-Konzert die grandiose Leistung der Sänger und 125 jungen Musiker, vereinigt aus der Edertalschule Frankenberg und der Christian-Rauch-Schule Bad Arolsen unter Leitung von Markus Wagener und Rainer W. Böttcher. Zwei Tage lang hatten sich beide Jugendsinfonieorchester bei einem Workshop in Bad Arolsen mit Musikern des Staatstheaters Kassel auf diesen Abend intensiv vorbereitet. Dabei setzte der mehrfache Preisträger Simon Etzold besonders kreative Impulse. Nun lieferte er als Solist des 8. Open-Air-Classic in einem virtuosen Stück für kleine Trommel mit perlenden Wirbeln und Taktwechseln eine Kostprobe seiner hohen Musikalität. Anschließend entfaltete er am Marimbaphon gemeinsam mit der Bratschistin Stephanie Horn klangfarbenreiche „Märchenbilder“.
Wie in früheren Open-Air-Konzerten, bei denen sich die Mitglieder der beiden Jugendsinfonieorchester von großen Gastkünstlern wie Justus Frantz zu Höchstleistungen beflügeln ließen, nahmen sie auch diesmal viele Anregungen auf: Fünf junge Schlagwerker brannten mit Simon Etzold in einer Samba-Improvisation ein hochexplosives und doch fein arrangiertes Feuerwerk an südamerikanischer Rhythmen und Klangnuancen ab, einer der Höhepunkte des Open-Air-Classic. Die Big Band der Edertalschule hatte unter Leitung von Torsten Herguth mit ihrem ausgeprägten Blechbläsersound in Jazz und Swing den roten Rhythmusfaden aufgerollt, bevor die beiden Orchester ihr großes sinfonisches Bilderbuch aufblätterten: Die Bad Arolser Schüler ließen mit Rainer W. Böttcher mit prachtvollen Hornfanfaren und knisternden Papiereffekten Homers Odyssee (Komponist Robert W. Smith) aufleuchten, die Frankenberger erinnerten mit einer hochsensiblen Interpretation von Jean Sibelius’ Tondichtung „Finlandia“ (1899/1900) an Freiheitswillen und nordische Landschaften. Ebenso engagiert interpretierten sie die „Video Games Live“ von Ralph Ford. Mehrfach wurde an diesem Abend das Simon-Bolivar-Orchester von Venezuela als musikpädagogisches Vorbild erwähnt: Es hatte den „Danzon Nr. 2“ von Artúro Marquez erstmals aufgeführt, den nun in der Beil-Arena die jungen Musiker aus Arolsen und Frankenberg in einem großen Klangkörper vereint mit professioneller Perfektion, rhythmischer Dynamik und Eleganz auf die Bühne holten. Hinreißend auch ihre sinfonischen Bilder aus Dvoráks „Neuer Welt“ und der „Nussknacker-Suite“ von Tschaikowsky, fulminant die Zugabe aus dem „Fluch der Karibik“ von Hans Zimmer. Es gab jubelnden Beifall, Blumen und Dank unter freiem Himmel - dann erst durfte es regnen.


