Neunter Bundesweiter Vorlesetag am 16.11.2012

Neunter Bundesweiter Vorlesetag am 16.11.2012

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Überall in Deutschland wurde am Freitag vorgelesen: Über 48.000 Vorleser leisteten an allen denkbaren Orten einen wertvollen Beitrag für eine lebendige (Vor-)Lesekultur. Ob an öffentlichen Veranstaltungsorten wie Büchereien, Museen und Parks oder in Seniorenheimen, Schulen oder Kindergärten: Die „Lesepaten“ sind Prominente, Politiker, Fernsehmoderatoren, Lehrer, Erzieher, Schüler oder Hausfrauen, und sie lasen unentgeltlich, freiwillig und mit viel Herzblut.
In der wunderschönen Atmosphäre der Mediathek der Edertalschule lasen Lehrer, Lehrerinnen und Schülerinnen Witziges, Ernstes und Schönes vor. Nach dem Motto „5 Leser – 10 Klassen“ wurden rund 250 Schülerinnen und Schülern unter anderem Satire, Kinder- und Jugendliteratur sowie Geschichtliches vorgetragen.
Initiator des Vorlesetages im Gymnasium war Deutschlehrer Arno Jacobsen. „Meine Frau ist Bibliothekarin und brachte mich darauf, zunächst in kleinerem Rahmen ausgewählte Vorleser mit passenden Gruppen zusammenzubringen. Wir möchten versuchen, den Vorlesetag fest an der Schule zu etablieren mit dem Ausblick, ihn vielleicht schon im nächsten Jahr allen Klassen möglich zu machen“, so der Pädagoge.


Auch Marco Böhnisch bot sich sofort als Vorleser an, als die ersten Pläne für die Aktion geschmiedet wurden. Böhnisch ist Deutschlehrer und ausgesprochener Freund der Satire. „Ich lese gerne Humorvolles vor, das Unerwartete daran reizt mich. Das Ganze mit Bissigem auf die Spitze zu treiben, das ist mein Metier. Und die Situation, die dabei entsteht, erfüllt ihren Selbstzweck: Die Schülerinnen und Schüler haben bisher noch keinen Kontakt gesucht zu Vorlesesituationen. Es spricht für sie, dass sie über eine halbe Stunde interessiert zugehört haben“. So las er zwei Kursen der Jahrgangsstufe 13 ausgewählte Lyrik ehemaliger und aktueller Mitarbeiter der Satire-Zeitschrift „Titanic“ vor, unter anderem auch von Thomas Gsella, dem „Haus- und Hof-Dichter“ der Zeitschrift.
Annika Heck, die Siegerin des Vorlesewettbewerbs der Edertalschule im Jahr 2011, las ihrer eigenen Klasse aus Laura Summers Jugendroman „Heart beat away“ vor. Ihre Klassenkameradinnen und Klassenkameraden hingen Annika förmlich an den Lippen und waren zunächst konzentriert und äußerst diszipliniert, dann einfach begeistert.
Peter Froschhäuser, pensionierter ehemaliger Lehrer des Gymnasiums kam gerne in seinen ehemaligen Wirkungskreis zurück und las aus Eginald Schlattners Roman „Das Klavier im Nebel“ vor. Seine Vorlesestunde glich einem äußerst interessanten Vortrag über Rumänien und die dort lebenden Siebenbürger Sachsen. Mit einer Atlaskarte von 1966 demonstrierte er eindrucksvoll die gesellschaftliche Entwicklung des Landes, dessen manche Städte früher noch deutsche Namen trugen, bevor er sehr ausdrucksvoll vorlas und die Zuhörerinnen und Zuhörer in seinen Bann zog: Die Zwölftklässler kamen jeweils aus einem Deutsch- und einem Geschichtsleistungskurs. Der ehemalige Deutsch- und Politiklehrer ist ausgesprochener Hörbuchfan und fasziniert von Rumänien. „Ich liebe dieses Buch und kann es jedem empfehlen! Ich habe gerne hier vorgelesen, denn auch wenn ich die Schule nicht vermisse, die jungen Menschen fehlen mir schon manchmal.“
Christina Lambach las zum Abschluss des Vorlesetages aus Hanna Schotts „Fritzi war dabei“ vor. Die Achtklässler waren begeistert. „Früher hat mir meine Mutter abends immer etwas vorgelesen. Heute meint sie, bin ich alt genug, um selber zu lesen“, meinte eine junge Schülerin später auf dem Schulhof und fügte hinzu: „Aber ich lasse mir auch heute noch gerne etwas vorlesen“. Ihre Klassenameradinnen nicken zustimmend.
Heimlicher Höhepunkt des Vorlesetages war zuvor sicherlich die fünfte Stunde: Schulleiter Stefan Hermes las vor aus Sven Regners „Herr Lehmann“. Die Mediathek war voll besetzt, als er mit viel Ausdruck vorlas und zwei Kurse der Jahrgangsstufe 11 die vollen 45 Minuten erheiterte. Die Sprache in Regners Roman entspricht der jugendlichen Umgangssprache und somit den Erwartungen der Kinder, die zusammen mit einigen Lehrern und Lehrerinnen entspannt und aufmerksam zuhörten. Zum Abschluss trug er noch „Auggie Wrens Weihnachtsgeschichte“ aus dem Film „Smoke“ von Paul Auster vor. Die Zeit verging im Nu.
Das Ziel, beim bundesweiten Vorlesetag Begeisterung für das Lesen und Vorlesen zu wecken, ist in der Edertalschule geglückt und pädagogisch von enormem Wert. Dass Kinder in einer Zeit, in der sie mit einer Flut optischer und akustischer Reize überspült werden, Rückzug brauchen, ist unbestritten. Umso erfreulicher ist es, dass immer mehr Kinder in der Edertalschule das vielfältige Angebot der Mediathek nutzen und sich Bücher ausleihen. 
Dorothea Wagener (dwa), 16.11.2012