Traumhafte Tangonacht (HNA, 21.07.2014)

Jugendsinfonieorchester aus Frankenberg und Bad Arolsen bezauberten 1200 Gäste

classic open air hna 21 07 2014

Schwermütiger Atem des Bandoneons, virtuoses Jauchzen von Violinen, Fingerspitzen im Tangotakt auf Trommelfellen, dazu die opulenten, dramatischen Klangbilder aus großen Filmen: Fast 1200 Besucher erlebten am Samstagabend im Frankenberger Autohaus Beil beim 9. Frankenberger Classic-Open-Air eine traumhafte Tangonacht, die mit zunehmender Dunkelheit und dem Spiel des farbigen Lichts immer zauberhafter wurde. Mit 120 Musikern vereinten sich die Jugendsinfonieorchester der Edertalschule Frankenberg, der Christian-Rauch-Schule Bad Arolsen und das Kasseler Tango-Trio mit den 60 Chorsängern beider Gymnasien zu einem großartigen Festspielensemble im Rahmen des Hessischen Kultursommers. Ein lauer Sommerabend mit noch mehr als 30 Grad Wärme, kaum ein Wölkchen am Himmel, dazu bereits zwei Stunden vor Beginn beschwingte Tangoklänge der Gruppe „Back to Jazz“ mit Doc „Molly“ Hassel und erste angeleitete Tanzversuche der Konzertgäste – Hausherr Günter Beil konnte ein schon froh gestimmtes Publikum begrüßen, darunter auch Regierungspräsident Dr. Walter Lübcke. Beil dankte den jungen Musikern, Sängern, ihren Leitern und Gästen, besonders Peter Zelienka vom hr-Sinfonieorchester Frankfurt. „Er hat bereits bei den vorbereitenden Workshops die Jugendlichen mit seiner Art begeistert!“ Das qualitätvolle, musikpädagogische Fundament beider Waldeck-Frankenberger Gymnasien, aber auch die kreativen, anspornenden Außenimpulse von Künstlern wie Zelienka und den Kasseler Tango-Musikern gaben dem Konzert „Tango meets Movie“ seine ganz besondere Dynamik: Sie feuerten sich gegenseitig unter der Leitung von Markus Wagener, Rainer W. Böttcher und Peter Zelienka zu Höchstleistungen sowohl bei argentinischen Tango-Kompositionen als auch großen Filmmedleys wie „Herr der Ringe“ oder „Les Miserables“ an.

Und hatten Vergnügen: Die Chöre beider Schulen mit Matthias Müller und Steffen Hause holten sogar den guten, alten „Kriminal-Tango“ von 1959 wieder aus der Musicbox. Mehrfach gab es solistische Glanzleistungen zu bewundern: Anna-Sophie Kobus erhielt Bravo-Rufe für ihr fulminantes Violinensolo in Sarasates „Zigeunerweisen“, Isabel Thamm bezauberte mit ihrem Geigenspiel in Williams’ „Tango Per Uno Cabeza“ und Charlotte Fortak holte mit schlankem Oboenklang „Oblivion“ (Piazzolla) in die Gegenwart. Bühnennebel, kreisende Scheinwerferkegel zum dunklen, aber immer noch lauen Abendhimmel: Orchester und Chöre vereinten sich zum krönenden Finale mit einem sinfonischen Medley aus „Phantom der Oper“ (Webber), dann bedankten sich mehr als tausend Menschen mit Jubel und stehendem Beifall für ein Konzert, das ihnen lange in Erinnerung bleiben wird – als Sommernachtstraum.