Grablicht und Neonreklame (HNA, 16.05.2014)

Theaterleute der Edertalschule erhielten Beifall für ein ideenreiches Stück

theater ag premiere hna 16 05 2014

Das Publikum war vorgewarnt: Ein „grotesk-makabres Stück Friedhof“ hatte die Theater-AG der Edertalschule auf den Plakaten versprochen, und das hielt sie bei dem von den Schülern selbst entwickelten Spiel „Unter uns“, einem Theatertableau voller über und unterirdisch schwarzem Humor, auch mit größtmöglicher Friedhofsunruhe ein. Bei der Premiere am Mittwochabend im Dampfmaschinenmuseum Schreufa ließen sich die Zuschauer durch Schock, Provokation, schrillbunte Unterhaltung und bissige Seitenhiebe auf die Vermarktungsstrategien der modernen Gesellschaft kräftig durchschütteln - aus anfänglicher Beklommenheit wurde schließlich jubelnder Schlussbeifall. Starkes Vorbild: Der irische Spaßvogel und Politrebell Brendan Behan (1923-1964) hatte die jungen Theatermacher angeregt, weit weg von IRA und Konfessionenkampf ein eigenes Werk im Friedhofsmilieu zu produzieren. Dabei wurden von ihnen soviel „verrückte Ideen entwickelt, dass wir eine Auswahl treffen mussten“, so Regisseur Paul Möllers, der nach 28 Jahren Theater-AG mit über 30 Stücken sein letztes Werk ablieferte. Er zog noch einmal alle Register routinierten Regietheaters, öffnete seinen Schülern den Bühnenhimmel für ihr Ideenfeuerwerk zwischen Grablicht und Neonreklame im „Happy Die Eternity Park“, zwischen Luxusgrab mit Beleuchtung und Occupy-Zelt gleich daneben. Dialektik und Distanz: Die so über und unter der Erde angelegte Doppelbödigkeit ließ eindimensionales Denken gar nicht erst zu. Vom Kalauer „tiefer gelegt“ bis sarkastischgrotesken Vorstellungen vom vermarkteten „Tod als Event-Kultur“ reichten die Wortbilder, von Slapstick-Klamauk bis Einfrier-Modus die bewährten Spieltechniken, dazwischen erklangen Kirchenorgel und wunderbar schräge Songs.

Tanz statt Trauer: Besonders in der zweiten Spielhälfte hatte die Inszenierung ihre deutlichsten Stärken, das Publikum hatte sich auf dem fröhlichen Friedhof mittlerweile eingelebt und feierte mit den jungen Akteuren, Lebenden wie Untoten, die „kapitalfreie Zone“. Entdeckte Talente: In allen Schülergeneration ist es Paul Möllers, diesmal bereits unterstützt von seinem Nachfolger Thorsten Jech gelungen, junge Talente zu entdecken und zu fördern. Auch bei „Unter uns“ gab es herausragende Leistungen, spezialisierte Techniker, anrührende Soloauftritte, und mimische Begabungen, aber auch solch ein ausgeprägtes Bewusstsein an Ensemblegefühl aller, die sich die Hauptrollen während der drei Aufführungen an diesem Wochenende sogar teilen werden, dass hier Einzelleistungen nicht herausgestellt werden sollen.
Dank: Oberstudiendirektor Stefan Hermes dankte am Ende insbesondere dem scheidenden Theaterpädagogen Paul Möllers: „Sie haben ganz viel zur Reputation unserer
Schule beigetragen!“

Die Mitwirkenden

Sie wirken mit beim Theaterstück „Unter uns“, teilweise in Doppelbesetzung als Nutte Marie: Suna Knell/Anna Kobus, Nutte Rose: Katrjin Kornmann/
Lea Ochse, Sekretärin: Vivien Graßhoff, Frau Crohn: Laura Neuhaus, Frau Mackenroth: Darja Fuhrmann, Magdalena: Theresa Werth, Aufsichtsrätin:
Liane Bergener, Erna: Katharina Becker, Witwe: Ilka Homberger, Werbefrau: Viktoria Pärnt, junges Mädchen: Ilka Homberger, Partnerin Witwer: Katrjin
Kornmann/Lea Ochse, Stewardess: Amrei Göbel, Christel: Suna Knell/Anna Kobus.
Männliche Rollen: Crohn: Manuel Cronau/Eldin Mehic, Held: Feissal Sharif/Jonas Vial, Bonnie: Tim Meiser, Aufsichtsrat: Leonard Finger, Werbeleute:
Nils Funke, Christopher Ostrowski, Julius Engelbach. Partner Witwe: Feissal Sharif/ Jonas Vial, Nihilist: Manuel Cronau/Eldin Mehic, Pedant: Wimmel Wick. Als Techniker arbeiteten Carolin Balouschek, Benjamin Efendic, Benedikt Kantert, Merve Kockmaz, Lukas Ochse, Stella Ruhwedel, Fynn Held, Philipp Smettan, Nele Steuber, Brian Trögel, Volker Vaupel, Johannes Wahl, Jens Weisheit.