Deutsche Heimat auf Zeit (HNA, 04.02.2014)

Neue Kultur und Sprache: US-amerikanische Familie Sargent für drei Jahre in Burgwald

integrationsprojekt hna 05 02 2014

Mehrere Tausend Kilometer trennen sie von ihrer Heimat nahe Detroit, einer Großstadt im Norden der USA – und noch mehr: „Im Winter ist es hier wärmer als zuhause“, stellt Michael Sargent fest. Seit rund einem Jahr lebt der US-Amerikaner mit seiner Familie in Burgwald. Als Geschäftsführer für strategische Einkäufe weltweit, bot ihm sein Arbeitgeber Osborn ein dreijähriges Engagement in der Burgwälder Niederlassung an. Eine wohl einzigartige Möglichkeit, erkannten die Eltern von zwei Kindern. „Für meine Arbeit ist es wichtig, Sprachen und Kulturen zu verstehen“, erklärt Michael Sargent. Seine Ehefrau Katherine Eichenberg ergänzt, ihre Kinder sollten verstehen, dass die Welt größer als der Bundesstaat Michigan ist. Seit einem Jahr in Burgwald Ende Februar des vergangenen Jahres begann das Abenteuer Deutschland – keiner in der Familie beherrschte zu diesem Zeitpunkt die deutsche Sprache. Daher half Michaela Theis, Personalreferentin der Firma Osborn, der Familie: Theis organisierte eine Besichtigungstour nach Marburg, Biedenkopf und Frankenberg. Sie war es auch, die der Familie bei der Schulwahl für den 14-jährigen Colin und die zwölfjährige Chloe half.

Mit Unterstützung von Osborn stimmte das Gymnasium Edertalschule ein individuelles Förderprogramm auf die Schüler ab: Als Tutoren kümmerten sich die Referendarinnen Carola Quadt und Natalie Krümmelbein um die beiden Kinder, ein abgestimmter Stundenplan schuf Platz für Einzelunterricht. „Die ersten Wochen und Monate waren nicht einfach“, berichtet Marco Nezi, Deutschlehrer an der Edertalschule. Aber seit November hätten Colin und Chloe große Fortschritte gemacht: „Sie haben sich gut integriert und trauen sich, sich zu melden“, erklärt Nezi. Er sei sicher, dass die Kinder in zwei Jahren – dann zieht die Familie aller Voraussicht nach wieder zurück in die USA – fließend Deutsch sprechen werden. „Für die Schule war das Projekt mit den beiden Kindern eine große Herausforderung“, sagt Schulleiter Stefan Hermes, „aber auch eine tolle Erfahrung.“ Angesichts der Fortschritte der Kinder und bei den eigenen Deutsch-Kenntnissen, stimmen die Eltern zu. „Je mehr Deutsch wir können, desto besser fühlen wir uns integriert“, sagt Michael Sargent. Die Familie und die amerikanische Erdnussbutter vermissen sie dennoch.