Edertalschülerin Olivia Hartel und ihr Mitschüler Johannes Müller fühlten Kandidaten auf den Zahn (HNA, 08.09.2017)

Erstes Speed-Dating zur Bundestagswahl im Wahlkreis

jungwaehler fuehlen kandidaten auf den zahn 080917Das war ein Novum im Wahlkreis Schwalm-Eder/Frankenberg: Die sieben Direktkandidaten für die Bundestagswahl trafen bei einem Speed-Dating auf Jung- und Erstwähler. Die HNA-Veranstaltung in Fritzlar ersetzt den allseits bekannten Lesertreff. Die Jungwähler konfrontierten die Kandidaten reihum in Zweier- und Dreier-Teams mit ihren Fragen. Das Zeitlimit lag bei jeweils fünf Minuten. Die großen Themen waren unter anderem die Infrastruktur im ländlichen Raum, Perspektiven für junge Menschen und die Flüchtlingsfrage. Dr. Edgar Franke (SPD): „Wir müssen die medizinische Versorgung auf dem Land sichern.“ Dazu müsse die Zulassungsbeschränkung (Numerus clausus) für das Medizinstudium abgeschafft werden und die Mediziner auf dem Land einen finanziellen Anreiz erhalten. Matthias Köhler (Freie Wähler) forderte, den Ausbau des schnellen Internets in staatliche Hand zu legen. Auf private Unternehmen könne man sich nicht verlassen. Wenig überraschend drehten sich am Tisch von Albrecht Glaser (AfD) viele Fragen um das Thema Flüchtlinge und Migration. Wenn Flüchtlinge die Trennung von Staat und Kirche, Meinungsfreiheit sowie die Gleichberechtigung von Mann und Frau akzeptierten seien sie  auch willkommen, sagte Glaser. Bettina Hoffmann (B90/Die Grünen) nannte als eines der Grünen-Ziele, den öffentlichen Personennahverkehr langfristig zum Nulltarif anzubieten und die Radwege auszubauen. Bernd Siebert (CDU) untermauerte die Aussage der Kanzlerin, dass es mit der CDU keine Rente mit 70 geben werde. Aus dem Kreis der Jungwähler wurde die Forderung laut, die Politiker müssten solche Formate deutlich stärker nutzen, um mit jungen Menschen ins Gespräch zu kommen. Dies sei ein wichtiger Beitrag, der Politikverdrossenheit zu entgegnen. [...]

 

Gut vorbereitet und mit einer breiten Palette von Themen, die sie interessieren, kamen die jungen Leute aus dem gesamten Wahlkreis 170, von Ernsthausen bis Spangenberg, zum Speed-Dating nach Fritzlar. In den Gymnasien und bei den Jugendpflegen hatten die HNA-Redaktionen aus Melsungen, Homberg, Schwalmstadt und Frankenberg die künftigen Jungwähler rekrutiert. An sieben Tischen saßen ihnen die sieben Direktkandidaten gegenüber, die sich am 24. September zur Wahl stellen. In den wenigen Minuten, die jedem Frager und auch jedem der Politiker zur Verfügung standen, durfte nicht viel geschwätzt, sondern musste vor allem konkret gesagt werden, was gefragt war. Da war es egal, ob es um Landwirtschaft, Digitalisierung, Nahverkehr, Bildung oder die Flüchtlingsfrage ging. Der enorme Geräuschpegel in dem Raum bewies schnell, dass allen Beteiligten der Gesprächsstoff nicht ausging. „Das können wir noch mal machen“, waren sich letztlich die jungen Leute wie auch die Politiker einig. Im direkten Kontakt sind die Eindrücke doch intensiver als nur über Wahlprogramme und Werbeplakate.