Erinnern und Versöhnen (HNA, 19.07.2018)

Ehemalige Edertalschüler unternahmen Studienreise ins Riesengebirge

erinnern und ersoehnen 190718Eine Studienreise ins Riesengebirge mit besonderen historischen Schwerpunkten unternahm die seit Jahren aktive Ehemaligen-Gruppe, die 1956 an der Edertalschule ihr Abitur abgelegt hat. Zu dieser Klassengemeinschaft gehörte auch Wilfried Bittner, verstorben 2017, der im Juni 1945 aus seiner Heimat vertrieben wurde. Er hat die Verbindung ins Riesengebirge über Jahre gepflegt, Kontakte und Freundschaften geschlossen. Seine Frau Luise Bittner (Frankenberg) organisierte nun eine „Klassenfahrt“, die von vielen Erinnerungen bestimmt war. Neben Wanderungen (Elbequelle und Schneekoppe) standen Begegnungen und Gespräche im Mittelpunkt, die das Geschehene nicht vergessen machten und gerade deshalb Zeichen der Gemeinsamkeit und Versöhnung setzten, wie Luise Bittner am Reiseende feststellte.

Dazu gehörte ein zweisprachiger Gottesdienst in der 1903 vom Gustav-Adolf-Werk gebauten Jugendstilkirche in Hackelsdorf, in der Wilfried Bittner getauft worden war. Eine Gruppe deutscher Jugendlicher, die in der Aktion ‘Sühnezeichen ‘ ein freiwilliges soziales Jahr in Tschechien leistete, gestaltete den Gottesdienst mit. Walter Sellmann (Allendorf/Eder), ein Teilnehmer der gemeinsamen Studienfahrt, bewertete das gemeinsame Abendmahl als sichtbares Zeichen, wie Versöhnung gelebt werden kann. Organisiert wurde der Gottesdienst von der Gruppe „Freunde von Hackelsdorf“, engagierte Tschechen, die die vergangene Kultur der Region lebendig halten wollen zum Beispiel durch Instandhaltung der Kirche und Renovierung eines alten Riesengebirgshauses. Ein weiteres nachhaltiges Erlebnis für die ehemaligen Edertalschüler war der Besuch des deutsch-tschechischen Mahnmals am Veraweg in Spindelmühle, das vor drei Jahren auch auf Initiative von Hana Jüptnerova für die im Juni 1945 erschossenen sudetendeutsche Bewohner aus Spindlermühle und deutsche Soldaten errichtet wurde. Auch eine Fahrt ins einstige Schlesien mit Besuch der Stadt Hirschberg, den Schlössern im Hirschberger Tal und Gerhard Hauptmanns Haus Wiesenstein in Agnetendorf gehörten zum Reiseprogramm.