Starke Frau im Zentrum (HNA, 04.04.2018)

Theater-AG probt „Menthesilea“ als Stück des Jahres – Premiere am 25. April

starke frau im zentrum 040418Liebe und Krieg, Sex und Gewalt – krasse Gegensätze oder unmittelbar miteinander verknüpfte Begriffe? Gibt es klare Geschlechterdefinitionen? Was hat sich seit 1968 eigentlich in Sachen Emanzipation getan? All diese Fragen hat sich die Theater-AG der Edertalschule gestellt und während des Winterhalbjahrs bei zwei Freizeiten und wöchentlichen Proben ihr neues Stück „Menthesilea“ erarbeitet, das am 25. April in der Kulturhalle Premiere feiern soll. Es ist durch und durch eine Eigenproduktion, die sich an Heinrich von Kleists Tragödie „Penthesilea“ anlehnt. „Am Anfang unserer Stückentwicklung stand der Gedanke, eine ‚starke Frau’ ins Zentrum zu rücken“, erinnert sich Spielleiter Thorsten Jech. „Aber was zeichnet eine starke Frau überhaupt aus? Bedeutet Stärke nur, wirtschaftliche oder politische Macht auszuüben? Führen starke Frauen Kriege? Wie lieben starke Frauen? Woran scheitern sie?“ Relativ schnell kristallisierte sich in der Schülergruppe heraus, dass der Mythos um die kriegerischen Amazonen und ihre Königin Penthesilea, die im Trojanischen Krieg um den griechischen Helden Achill wirbt, einen idealen Ausgangspunkt bieten könnte. Was sich hier als Kampf zwischen den Geschlechtern darstellt, ist für Penthesilea gleichzeitig ein Konflikt zwischen fühlendem Individuum und normativer gesellschaftlicher Ordnung, ein Widerstreit, der sich leitmotivisch durch das ganze Drama zieht und tragisch endet. Jech: „Wir empfehlen deshalb unser Stück auch erst für Zuschauer ab 14 Jahren.“ Die mehr als 30-köpfige Theatergruppe hat das Drama entkernt und verdichtet, in die Gegenwart verlegt und sich auf den zugrunde liegenden Konflikt konzentriert. Dabei wird die Haupthandlung um Penthesilea und Achill immer wieder von „Störungen“ durchbrochen, in denen junge Frauen von heute im Fokus stehen. „Wir alle schlüpfen in Rollen, und sowohl Frauen- als auch Männerrolle sind nicht angeboren, sondern werden erlernt,“ erläutert Co-Spielleiter Daniel Herbrich. „Sexismus und Patriarchat sind in gesellschaftliche Strukturen eingeschrieben und werden immer wieder (re-)produziert,  können als historisch gewordene gesellschaftliche Phänomene aber durch das Theater auch offengelegt und verändert werden“, so der junge Theaterpädagoge weiter. Elf Jahre nach der „Medea“-Inszenierung von Paul Möllers mit der Frankenberger Theater-AG ist der antike Mythos um die Amazonenkönigin Penthesilea in diesem Frühjahr an fünf Terminen in der Kulturhalle zu erleben. Eine sechste Aufführung wird es im Rahmen der Theaterwoche Korbach am 9. Mai geben. Die Osterferien nutzen derzeit die zehn Techniker/innen und die 24 Darsteller/innen der Theater-AG mit dem Aufbau von Bühne und Tribüne in der Kulturhalle.  

Projekt und Termine

Die Theater-AG an dem Frankenberger Gymnasium versteht sich als ganzheitliches Projekt, bei dem jeder Mitwirkende möglichst an allen Aufgaben beteiligt sein soll: von der Entwicklung der Szenen über die Kostümgestaltung und das Layout von Programmheft und Plakat bis hin zum Aufbau von Bühne und Tribüne. Auch Ehemalige haben ihre Hilfe zugesagt. In der Woche vor der Premiere werden dann an vier Tagen intensive Endproben durchgeführt. Aufführungen sind am Mittwoch, 25. April (Premiere), Freitag, 27. April, Samstag, 28. April, Freitag, 4. Mai, und Samstag, 5. Mai (Derniere), jeweils ab 20 Uhr.) Der Eintritt kostet 9 Euro, ermäßigt 6 Euro. Karten gibt es im Vorverkauf bei Bücher Jakobi, im  Lädchen gegenüber der Schule, in der Buchhandlung Hykel sowie online unter http://thag-ets.de/stueckdesjahres/karten.