Eine Sprache zum Spielen (HNA, 09.02.2018)

Besuch des France-Mobils an der Edertalschule – Französisch bekommt Konkurrenz

eine sprache zum spielen 090218Leon lässt den Würfel durchs Klassenzimmer im Neubau der Frankenberger Edertalschule rollen. Die 6 bleibt liegen. „Jackpot“, jubeln seine Mitschüler aus der fünften Klasse, die im Kreis auf dem Boden sitzen. Jede Zahl steht für einen Satz, den die Kinder auf Französisch sagen sollen. „Je m’appelle Leon“, ich heiße Leon, ist die 1, „J’habite à Frankenberg“, ich wohne in Frankenberg, die 2. Der Jackpot ist natürlich alles hintereinander. Also erzählt Leon auch noch, dass er ein Junge ist, Deutsch spricht und gerne Pizza mag – alles natürlich auf Französisch. Kindern spielerisch Französisch beizubringen, ist für Laurine Sarazin eine Herzensangelegenheit. Die 23-jährige Französin ist eine von bundesweit zwölf Lektoren, die mit einem sogenannten France-Mobil im Dienste der deutschfranzösischen Freundschaft durch Deutschland touren (siehe Hintergrund). Um die Fünftklässler für das Nachbarland zu interessieren, ist ihr jedes Mittel recht: Spiele, französischer Hip-Hop und ganz viel Zeichensprache. So kann Sarazin auf Französisch mit den Kindern kommunizieren, obwohl diese noch keinen Unterricht in der Sprache hatten. Der Besuch des France-Mobils soll auch dazu dienen, die Attraktivität von Französisch als Zweitsprache zu erhalten. Bis zu den Osterferien können die Fünftklässler der Edertalschule wählen, welche Fremdsprache sie ab der 6. Klasse lernen wollen. Am Frankenberger Gymnasium hatten sie bisher die Wahl zwischen Latein und Französisch, doch in diesem Jahr kommt auf Wunsch vieler Eltern erstmals auch Spanisch als weitere Fremdsprache hinzu.

„Wir erwarten hier schon einen Anfangsboom“, erzählt Schulleiter Claus-Hartwig Otto. „Ich glaube, einige machen sich die Illusion, dass Spanisch leichter sei als Französisch, aber es ist genauso schwer. Wir würden es bedauern, wenn das Interesse an Französisch abnimmt.“ In Frankreich hat Laurine Sarazin bereits die Erfahrung gemacht, dass die Nachfrage nach Deutsch-Unterricht zurückging. Doch die Schulreform unter Präsident Emmanuel Macron im vergangenen Jahr soll das wieder ändern: „Er hat beispielsweise den bilingualen Unterricht in Frankreich wieder eingeführt“, berichtet Sarazin. Auch an der Edertalschule wurden alte Beziehungen ins Nachbarland wieder aufgefrischt: So findet seit einiger Zeit wieder ein Schüleraustausch mit Die statt, der französischen Partnerstadt von Frankenau. Das französische Schulsystem interessiert auch die Fünftklässler bei Laurine Sarazin: Wie lange dort die Schule dauert, möchten die jungen Edertalschüler wissen. Geradezu schockiert nehmen sie die Information auf, dass der Unterricht in Frankreich bis 18 Uhr gehen kann.

 


Hintergrund:

France-Mobil – Französisch auf Rädern

Das France-Mobil ist ein Projekt des Deutsch-Französischen Jugendwerks, des Institut français und der Robert-Bosch-Stiftung, die das Programm 2002 ins Leben rief. Neben Laurine Sarazin gibt es elf andere Lektoren, die mit ihren France-Mobilen Schulen in allen Bundesländern ansteuern, um Schüler für die französische Sprache und Kultur zu begeistern. Mehr als 1,1 Millionen Kinder an mehr als 14 000 Schulen haben die Lektoren bereits besucht. Für ihr Engagement wurden die Lektoren 2004 mit dem Adenauer-de-Gaulle-Preis ausgezeichnet. Laurine Sarazin ist bereits seit September mit ihrem Renault in ganz Hessen unterwegs.