Schüler analysieren das Chaos (HNA, 28.11.2015)

Edertalschüler wollen Verkehrssituation vor Schule verbessern – Projekt gewinnt bundesweiten Wettbewerb

Schueler analysieren das Chaos 281115Die Arbeitsgemeinschaft „Forscherlabor Mathematik“ an der Frankenberger Edertalschule ist zum Bundessieger im MINT-EC-Schulwettbewerb der Dr.-Hans-Riegel-Stiftung „Schule schafft Zukunft“ gekürt worden (siehe Hintergrund). Über den mit 7000 Euro dotierten Preis freuten sich nicht nur die 15 beteiligten Oberstufenschüler und ihr AG-Leiter Oliver Blinn. Auch Schulleiter Stefan Hermes war „richtig stolz“: „Das ist Wahnsinn. Das geht einem runter wie Öl“, sagte er, als er den Schülern zu ihrem Sieg gratulierte.

DAS PROJEKT

Eingereicht hatten die Schüler ein Mobilitätsprojekt zum Thema „Analyse der  Verkehrssituation an der Edertalschule und Entwicklung von Optimierungsmaßnahmen“. Das Konzept wurde von einer Fachjury und dem Veranstaltungsplenum auf der MINTEC-Schulleitertagung in Würzburg als innovativster Wettbewerbsbeitrag ausgewählt. Von dem Preisgeld sollen unter anderem zwei Drohnen zur Verkehrsaufzeichnung angeschafft werden, kündigte Oliver Blinn an.

DER HINTERGRUND

Die Idee zum Projektthema sei schnell geboren gewesen: „Wenn man in Frankenberg an Verkehrsoptimierung denkt, fällt einem natürlich als erstes die unbefriedigende Situation rund um die Schule ein“, sagten die Schüler, die vor einigen Wochen bereits eine Testmessung im Bereich der Kreuzung beim Amtsgericht durchgeführt haben. Morgens und mittags herrschten dort chaotische Zustände rund um die Edertalschule, so die Beobachtung der Schüler. Innerhalb von 20 Minuten sei der Verkehr 70 Mal komplett zum Erliegen gekommen. Hauptbrennpunkt sei der Zebrastreifen, der zwischen 7.30 und 7.50 Uhr von 188 Fußgängern überquert worden sei. „Es staut sich dort morgens in alle Richtungen und breitet sich dann aus -  da müssen wir anfangen“, sagte Schülerin Annalena Kleck.

DIE  UMSETZUNG

Die Umsetzung des Projekts erfolge jetzt in mehreren Phasen, teilte Blinn mit. Geplant sei zunächst die reale Verkehrssituation zu analysieren und daraus ein Modell zu entwickeln, das anschließend real umgesetzt werden soll. Angedacht seien unter anderem Umfragen, Verkehrsaufzeichnungen und Messungen – alles abgestimmt mit dem Ordnungsamt der Stadt und der Polizei. „Wir wollen nicht nur die Geismarer Straße untersuchen, sondern den kompletten umliegenden Bereich miteinbeziehen“, kündigen die hoch motivierten Schüler an. Immerhin treffen sich die Mitglieder des „Forscherlabors Mathematik“ freiwillig jeden Mittwoch zur „nullten“ Stunde um 7.10 Uhr, also noch vor dem regulären Unterricht. Annalena Kleck kommt sogar aus dem westfälischen Marsberg. Sie habe sich die Edertalschule extra wegen des MINT Schwerpunktes ausgewählt, sagte sie: „Das war genau die richtige Entscheidung, auf diese Schule zu gehen.“

Hintergrund:

Schulwettbewerb MINT-EC
„Schule und Mobilität“ war das Thema des 2015 erstmalig ausgelobten MINT-EC-Schulwettbewerbs der Dr.-Hans-Riegel-Stiftung „Schule schafft Zukunft“. Bewertet wurden die Wettbewerbsbeiträge unter anderem hinsichtlich ihrer Innovationskraft, Kreativität, Interdisziplinarität, Einbettung in regionale Kontexte und Nachhaltigkeit. „Der Wettbewerb
unterstützt die Profilbildung der Bildungseinrichtungen und ermöglicht den Schülern eine höhere Unterrichtsqualität in den MINT-Fächern. Neue Ideen und  engagierte Schulverantwortliche sollen belohnt werden“, sagte Prof. Ingeborg Henzler im Namen des Vorstandes der Stiftung. MINT steht für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik. MINT-EC ist das nationale Netzwerk von Schulen mit Sekundarstufe II und ausgeprägtem Profil in MINT-Fächern. Es wurde im Jahr 2000 von den Arbeitgebern gegründet und arbeitet eng mit deren regionalen Bildungsinitiativen zusammen.